Brad Sunberg

1985 habe ich geheiratet, bekam meinen ersten Job in einem Tonstudio (Westlake Audio) und traf einen der liebenswertesten Menschen, die ich je kennengelernt habe, Michael Jackson. Allein der Versuch, die nahezu 20 Jahre andauernde Arbeits-und Freundschaftsbeziehung mit Michael in einem Artikel zusammenzufassen, wäre schon unmöglich, aber lasst mich versuchen, euch nur einen kleinen Einblick in die unglaubliche Arbeit zu geben, an der ich Anteil hatte.

Michael arbeite an Captain EO im Epcot Center. Er kam gerade von seiner Victory-Tour, hatte gerade sein Album „Thriller“ herausgebracht, lief ständig auf MTV, und er war zurück im Studio. Ich wünschte, ich könnte mich an unser erstes Treffen erinnern, aber es war so etwas wie ein „aneinander vorlaufen“ in einem Flur. Er war immer sehr warmherzig und scheu. Nach einer gewissen Zeit, unterhielten wir uns oft, aber er hat eine Zeitlang gebraucht, bis er Vertrauen aufgebaut hatte.

Zu dieser Zeit etwa nahm er ein oft vergessenes Album auf, die Geschichte von ET. Damals traf ich Quincy Jones und Bruce Swedien. Im Frühjahr 1986 kam das Team nach LA in die Westlake Studios, um BAD aufzunehmen und sie hießen mich dabei willkommen. Den Tag über arbeitete ich an anderen Aufnahmen, aber war ich dazu eingeladen, da zu sitzen und zu lernen. Schließlich schaffte ich es zum technischen Direktor in dem Team, das Vertrauen hatte sich gefestigt. Zu dieser Zeit erfand Michael für mich den Spitznamen „Really, really, Brad“ in Anlehnung an die Textzeile „Bad, bad, really, really, bad“, schaut in die Album- Danksagungen, da werdet ihrs finden.

In den nächsten 10 Jahren arbeitete ich mit Michael, ich bereitete seine Bad-Tour 1988 vor, danach ging es wieder ab ins Studio nach LA für das Dangerous-Album , gefolgt von HIStory, dass in New York aufgenommen wurde. Es kamen zahllose Musik-Videos, die HIStory-Tour, Moonwalker, das Album Blood on the Dancefloor und jede Menge anderer kleinerer Projekte, ich lernte ihn ganz gut kennen.

Also wer war Michael Jackson und warum hatte er einen so tiefgreifenden Einfluss auf mein Leben? Ich würde für keinen Augenblick so tun, als sei ich ein großer Freund für ihn gewesen, oder ein Vertrauter. Ich würde eher sagen, ich habe für ihn gearbeitet und es war mir eine Ehre.

Er war ein vollkommener Perfektionist. Wenn es abgemacht war, dass sein Gesang um 12 aufgenommen wurde, kam er um 10, um mit seinem Vocal-Coach Seth Riggs die Tonleiter zu singen. Ja, die Tonleiter. Ich habe das Mikrophon angeschlossen, die Ausrüstung überprüft, Kaffe gemacht und die ganze Zeit hat er 2 Stunden lang die Tonleiter rauf und runter gesungen.
Normalerweise fuhr er immer selbst allein zum Studio. Eine Zeitlang fuhr er einen Ford Bronco mit Beulen und Kratzern drauf. Er war kein sonderlich großer Autofahrer. Mehr als einmal rief er im Studio an, dass er sich verspäten würde, weil er wieder einen kleinen Unfall mit Blechschaden hatte.

Er war unglaublich neugierig, zu erfahren wie „normales Leben“ ist. Einmal stellte er mir Fragen über Weihnachten und er konnte es überhaupt nicht fassen, wie die Kinder mit dem Geschenke auspacken bis am Weihnachtsmorgen warten konnten. Wie ihr seht, er ist als Zeuge Jehovas aufgewachsen, es gab bei der Familie Jackson keine Weihnachtsfeiern.

Da ich so nah an dieser Welt dran war, lasst mich euch ein paar Einblicke darüber geben. Ein typisches MJ-Album erforderte zwischen 10 und 16 Monaten Arbeit im Studio. Sein Budget erlaubte es, etwa 100 Songs für ein Album aufzunehmen. Manche wurden schon früh aussortiert, während an anderen noch lange gearbeitet wurde. Musiker wurden hinzu gerufen, um ihre Idee beizusteuern, aber im Zentrum all dieser Dinge stand Michael.

Das Team war bemerkenswert klein, wenn man sich den Umfang der Projekte anschaut. Jedes Projekt war geringfügig anders, aber im Normalfall arbeiteten höchstens acht von uns jeden Tag, von dem Tag an, wo es begann, bis das Projekt vollendet war. Kein Gefolge, keine Knochen des Elefantenmenschen, keine Groupies, keine Drogen, nur Musik und was zu essen.
Während der Arbeiten am BAD-Album wurde der Freitag sehr schnell zum „Familientag“. Da waren dann seine beiden Küchenchefs, liebevoll „die Volltreffer-Schwestern“ genannt , die dann für die gesamte Crew, die Musiker und irgendwelche Mitglieder der Familie, die gerade da waren, reichlich Essen zubereiteten. Wenn ich dann manchmal 80 Stunden die Woche arbeitete, war es nicht unüblich, dass Deb kam und mit uns zusammen aß. Michael liebte diese Familienzusammenkünfte. Zu den späteren Projekten brachte ich sogar meine Töchter mit, die er sehr liebte und mit denen er spielte. Da gibt es einen winzigen Augenblick in meinem Kopf, als Deb mir unsere Tochter Amanda, die zu der Zeit noch ein Baby war, am Nachmittag ins Studio brachte. Sie legte ihr eine Spielmatte auf den Boden und hatte Spielsachen mitgebracht. Michael setzte sich zu ihr und spielte eine Zeitlang mit ihr. Dann sah er Deb an und meinte:“ Das ist ihre eigene kleine Welt, nicht wahr?“

Wenn du in einer solchen Umgebung arbeitest, geht dir der Sinn für ganz normale Dinge langsam abhanden. Für VIPs war es nicht unüblich hierher zu kommen. Eines Tages suchte der Secret Service das Gebäude ab, bevor Nancy Reagan auf einen Besuch vorbei kam. Die nächste war Prinzessin Stephanie von Monaco. Sie hatte einen Gastauftritt in „In The Closet“. Die Schimpansen besuchten uns sehr häufig im Studio, genau wie eine riesige Schlange, beide brachten mich auf die Palme, da ich sie festhalten musste, während Michael sang. Michael liebte es, Spaß und Arbeit zu vermischen, aber die Arbeit kam für ihn immer zuerst.
Ich habe ihn oft dabei gesehen, wenn er seine Songs schrieb und dieser Prozess war einfach unglaublich. Ich fragte ihn, woher seine Songs kämen und er sagte, sie seien Gottes Geschenke an ihn. Er konnte den ganzen Song in seinem Kopf hören, bevor wir ihn aufnahmen. Manchmal sang er uns die Schlagzeuge, die Bässe, die Percussion, die Keyboards und das alles vor und später ersetzten Musiker seine Demo-Tapes mit der entsprechenden Musik.
Sein Aufenthaltsraum war dekoriert mit Disney-Postern und anderen alten Hollywood-Erinnerungsstücken. Er liebte die Unschuld und er strahlte Sanftmut, Humor und Geduld aus.
Dieser treibenden Arbeitsmoral musste er von Zeit zu Zeit auch mal entfliehen. An vielen Tagen kamen wir ins Studio, nur um zu sehen, dass er nach Europa oder Japan geflogen war und nur vergessen hatte, es uns zu sagen. Das bedeutete für uns einfach nur, dass wir einige ungeplante freie Tage vor uns hatten und das war fantastisch.

Es gab jedoch auch manchmal Erinnerungen über endlose Reisen und Arbeitspläne, als er noch ein Kind war, von denen er uns erzählte. Er erzählte von erwachsenen Frauen, die sich auf ihn stürzten, als er gerade mal 9 oder 10 Jahre alt war. Eine Geschichte, die er erzählte, werde ich nie vergessen. Er saß mit seinem Vater und seinen Brüdern im Flugzeug, als ein Gewitter aufkam. Das Flugzeug wurde hin- und hergerissen, Blitze zuckten und er weinte vor Angst. Sein Vater ignorierte ihn, es war ihm peinlich. Ein Flugbegleiter setzte sich zu ihm, bis das Gewitter sich verzogen hatte. Ihn diese Geschichte erzählen zu sehen mit Tränen in den Augen gab mir einen winzigen Einblick in sein Leben.

Es gibt nur wenige Menschen, mit denen ich so lange und eng zusammengearbeitet habe wie mit Michael. Es gab viele Monate, an denen ich mehr mit ihm als mit meiner eigenen Frau zusammen war. Irgendwann im Jahr 1991 bat er mich, eine Ranch zu besuchen, die er gekauft hatte, ich sollte für ihn ein Sound-System für ein Karussell entwerfen. Das nächste, was ich erfuhr, war, dass ich auf seiner Neverland-Ranch im Santa Ynes Tal war. Überall wurde gebaut und der Vergnügungspark befand sich in einem ganz frühen Bau-Stadium. In den darauffolgenden Jahren bat mich Michael Anlage für Anlage aufzubauen, ich sollte überall Musik erklingen lassen, auf den Autoskootern, im Streichelzoo, in den beiden Zügen, überall rund um den Vergnügungspark, am Bootsteich, an den Zugstationen, und schließlich auch im Inneren des Hauses, und auch in seinem Schlafzimmer und im Badezimmer.

Deb liebt es, darüber zu reden, dass Michael nachts um 2 anrief (seine Schlafplanung war nie normal), um mir von einer neuen Attraktion zu erzählen, die nach Neverland kam und mich zu fragen, ob ich dort wieder die Musik installieren könnte. Ich habe heute noch das Tape eines Anrufbeantworters, auf dem er sich bei mir bedankt für die Musik, die ich installiert hatte.
Michael war sehr ungeduldig, wenn neue Karusselle kommen sollten. Wenn der zweite Zug zur Ranch angefordert war, flogen wir nach Ohio, um die Karussells mit Lichtern und Musik auszustatten, bevor sie sich auf den Weg nach Neverland machten. So waren sie, sobald sie vom Truck rollten, bereit für Michael. Er lebte für solche Augenblicke!

Seiner Zeit war Neverland einer der wunderbarsten Orte, die ich je sah. Er liebte diese Ranch. Er durfte sich dort wie ein Kind benehmen, er konnte mit Golf-Carts fahren, mit Wasserballons um sich werfen und einfach nur Freude empfinden. Woche für Woche rollten die Busse an und brachten die Kinder aus der Innenstadt. Es waren Kinder von der „Make A Wish“-Stiftung mit ihren Freunden und ihren Familien. Ich war da mit sterbenden Kindern, deren letzter Wunsch es war, nur einen Tag mit Michael zu verbringen.

Als Neverland immer weiter wuchs, befiel mich der Bazillus, weiter Anlagen zu bauen und mein Interesse für Aufnahmestudios ließ langsam aber sicher nach. Sehr bald schon arbeitete ich für Elisabeth Taylor, ich baute eine riesige Outdoor-Musikanlage für sie, und danach für meinen guten Freund Quincy Jones.

Das war der Michael, den ich kannte. Zeitweise war er kindlich, aber nicht kindisch. Ein professioneller Mensch, der dafür arbeitete, der beste Performer der Welt zu werden und dennoch wusste, Spaß zu haben. Wenn er sich wohlfühlte, lachte er mit jedem und trieb mit jedem seine Späße, aber wenn es da jemanden gab, der ihm ein mulmiges Gefühl gab, verschwand er einfach.

Wir sagten immer, dass es da zwei Michaels gibt; der eine, mit dem wir arbeiteten und der andere der vor 100000 Menschen auf die Bühne ging und für sie performte. Es gab schon immer Sänger und Tänzer, aber Michael war eine Klasse für sich. Ich war vielleicht auf 12 seiner Konzerte (meine Tochter Amanda war ihm auf der Bühne in Paris und sang mit ihm „Heal The World“) und da gibt es wirklich keinen einzigen, der an sein künstlerisches Niveau heranreichen könnte.

Ja, es gab da diese Anschuldigungen. Und nein, ich glaube sie nicht.

Ja, seine Hautfarbe hat sich verändert und auch das Aussehen seines Gesichts. Und nein, das interessiert mich überhaupt nicht.

Ich habe für sehr viele ganz normal aussehende Menschen gearbeitet und bei ihnen blühten Angst und Wut. Ich sehe diesen Jungen, der vielleicht nicht aussieht wie jeder andere und auch etwas exzentrisch ist, der aber nichts anderes zeigt als Liebenswürdigkeit, Liebe, Großzügigkeit, Geduld, Humor und Bescheidenheit an jedem Tag der Woche. Ich könnte einfach nur Seite um Seite um Seite vollschreiben über seine Liebenswürdigkeit, die ich aus erster Hand erfahren durfte.

Die Exzentrik aber wuchs.

Das letzte Mal, das ich mit Michael sprach, war irgendwann 2003. Er wollte, dass ich ein paar Dinge für ihn anbaue, aber die Dinge hatten sich natürlich geändert. Es war eine merkwürdige Unterhaltung zwischen uns, mit dem Ergebnis, dass ich die Arbeit, die er mir anbot, ablehnte. Dann fuhr er in seinem Golf-Cart davon. Als ich zu meinem Wagen ging, wusste ich, dass es das letzte Mal war, dass ich ihn sah. Ich erinnere mich daran, wie ich über das Tal blickte mit dem Vergnügungspark und dachte, dass es damals großartig war, aber nun war das Gras nicht mehr so grün, wie es einst war und Michael fuhr im Golf-Cart zurück zu seinem Haus. Ich war so weit weg von dem Flur, in dem wir uns einst 20 Jahre zuvor das erste Mal trafen.

Ich möchte keine einzige Minute davon eintauschen.

Danke, Michael, dass du mich ein kleiner Teil deines Lebens werden ließest. Du hast mich mehr gelehrt, als du je wissen wirst. Deine Freundschaft und dein Vertrauen werde ich auf ewig wertschätzen. Ruhe in Frieden, mein Freund.

noch eine andere Geschichte....

Um die Zeit arbeitete er auch an einem oft in Vergessenheit geratenen Album, dem "ET-Story Book" Das war zu der Zeit, als ich Quincy Jones und Bruce Swedin kennenlernte. Anfang 1986 zog das Team ins Westlake Studio D nach Hollywood, um das Bad Album aufzunehmen und ich war mit dabei. Tagsüber arbeitete ich an anderen Sessions, aber Nachts saß ich dabei und lernte. Ich arbeitete mich hoch zum Technischen Direktor des Teams und sie hatten Vertrauen in mich. Während der Zeit nannte mich Michael "Really Really Brad" (Check die Album Credits, da steht es)
Meistens fuhr er selbst zum Studio, er hatte einen großen Ford Bronco mit Dellen und Kratzern. Er war kein guter Fahrer. Mehr als einmal rief er an um zu sagen, er käme später wegen eines kleinen "Blechschadens"

Er war sehr neugierig auf das "normale Leben" Er fragte mich eimmal über Weihnachten und konnte nicht verstehen, warum die Kinder bis zum Weihnachtsmorgen warten konnten, bevor sie ihre Geschenke auspackten. Er war Zeuge Jehovah, und bei den Jacksons wurde kein Weihnachten gefeiert.

Während dem Bad Album wurde der Feitag schnell als "Familientag" bekannt. Er brachte seine zwei Köche mit, bekannt als die "Slam Dunk Sisters", die große Essen für die Crew, die Musiker und Familienmitglieder vorbereiteten. Seit ich manchmal 80 Stunden die Woche arbeitete, war es für Deb (Ehefrau) nicht ungewöhnlich, auch zu dem Essen mit Michael zu kommen. Michael liebte diese Familien Zusammenkünfte. Bei späteren Projekten brachte ich auch noch meine Mädchen mit, er liebte sie und spielte mit ihnen. Ich erinnere mich an einmal, wo meine Frau meine Tochter Amanda mitbrachte, die zu der Zeit noch ein Baby war. Sie saß am Boden mit ein paar Spielsachen und Michael setzte sich dazu und spielte mit ihr. Er sagte zu Deb: "sie ist ganz in ihrer eigenen kleinen Welt jetzt, nicht?."

Sein Raum war mit Disney Postern und alten Hollywood Erinnerungen dekoriert. Er liebte das Unschuldige und die dargestellte Liebenswürdigkeit, Humor und Hingabe.

Deb erzählt gerne von den Zeiten, wo Michael morgens um 2 Uhr anrief (sein Schlafverhalten war nie normal) um mit uns über neue Attraktionen auf Neverland zu reden und zu fragen ob ich sie mit Musik ausstatten könne. Ich habe immernoch eine alte Anrufbeantworter Aufnahme, wo er sich für ein solches System bedankt.

Das war der Michael, wie ich ihn kannte. Unschuldig, vielleicht manchmal wie ein Kind, aber nie kindisch. Ein Profi, der dafür arbeitete, der beste Performr der Welt zu sein, der aber trotzdem wusste, wie man Spass hat. Wenn er sich wohl fühlte, lachte er und machte Witze mit jedem, aber wenn irgendetwas ihn sich unwohl fühlen ließ, verschwand er.

Wir sagten, es gibt da zwei Michaels, der eine, mit dem wir zusammenarbeiten, und der andere, der auf der Bühne vor 100.000 Menschen steht und sie unterhält. Es gab immer Sänger und Tänzer, aber Michael ist eine Klasse für sich. Ich war vielleicht auf 12 seiner Konzerte (und Amanda war mit ihm in Paris bei "Heal The World" auf der Bühne) und da gibt es wirklich nichts, was an seinem Künstlerischen Level herankommt.

Ich habe mit vielen normal aussehenden Leuten gearbeitet, die ihren Erfog aber nur durch Quälerei und Ärger ereichen wollten. Und dieser Junge sieht vielleicht ungewöhnlich aus und ist exzentrisch, zeigt aber Freundlichkeit, Liebe, Großzügigkeit, Hingabe, Humor und Bescheidenheit an jedem Tag. Ich könnte Seiten füllen mit einfachen netten Dingen, die ich selbst gesehen habe.

 

Quelle: mjj forever.forum

 

 

bei YouTube gibt es einen Mitschnitt von Michael und Brad bei der Arbeit.