Auszüge aus Ryan´s Buch "my own story".

 

 

An diesem Tag rief mich Michael Jackson an. Wow! Ich wusste nicht warum er das getan hat, außer vielleicht weil er auch aus Indiana ist. Er sagte, dass er in seinem Auto sei.
„Wenn die Verbindung unterbrochen wird, ruf ich zurück, ok?“ sagte er zu mir.
Also hab ich ihm erzählt, was ich so mache, was für Filme ich gesehen habe, wie die Schule so ist und wie John und ich Schaufensterbummeln waren – so Sachen über die man mit jedem eben so redet. Und ich sagte ihm, dass ich seine Alben höre. Ich mochte „Man In The Mirror“ am liebsten. Michael ist nicht so unzuverlässig und verrückt wie es in den Zeitungen immer geschrieben wird, die man im Supermarkt kaufen kann. Er ist in Wirklichkeit eher ruhig und sanft. Manchmal nimmt er sich ein bisschen Zeit bevor er antwortet. Er ist einfach nur liebenswürdig und friedlich. Für mich war es schön, solch einen neuen Freund zu haben. „Wenn du das nächste Mal in L.A. bist, treffen wir uns und haben so richtig Spaß“, sagte er mir. Na ja, ich konnte es natürlich nicht erwarten.

An dem Tag, den wir mit Michael verbringen durften, hat uns (mich, meine Mutter, Andrea und Heather) eine Limousine sehr früh von unserem Hotel abgeholt. Nachdem wir reingeklettert sind hat man uns gesagt, dass wir keine Kameras mitnehmen dürfen weil wir nicht die Erlaubnis dazu hatten, Fotos zu machen. Ungefähr drei Stunden später, so um 10 in der Früh, haben wir den Eingang von Neverland, Michaels Ranch, erreicht. Wir haben angehalten und die Leute von der Security haben uns noch einmal untersucht. Sie haben uns dann zum Haupthaus begleitet. Uns wurde gesagt, dass Michael viel zu tun hat, und dass er in circa einer halben Stunde da sein würde.

Wir haben ein bisschen Limo getrunken und Heather, Andrea und ich haben ein Spielzimmer gefunden. Die Mädels haben dann die Videospiele ausgetestet. Ich bin in ein Flugzeug geklettert dass sich genauso bewegte als ob es wirklich fliegen würde. Und dann hab ich plötzlich ganz kurz Michael gesehen wie er mit den Mädchen spielte. Ich habe versucht weiter nach ihm Ausschau zu halten und hallo zu sagen, aber ich war gefangen! Ich konnte nicht herausfinden, wie man das Flugzeug anhielt. Und von den anderen wusste es auch keiner also musste Michael schließlich doch irgendwann mal das lachen aufhören und den Stecker herausziehen!

Michael trug eine schwarze Hose, eine rot-schwarze Jacke und hatte einen schwarzen Hut auf. Er trägt immer meine Lieblingsfarben. Er hat uns durch das Haupthaus geführt. Genauso wie ich hat er den Traum, Kinder zu haben, deswegen hatte das Haus ein Zimmer für einen kleinen Jungen und eins für ein kleines Mädchen. Und ein Spielzimmer mit allen möglichen Spielsachen und künstlerische Sachen und handgefertigte Sachen – sogar eine Miniaturausgabe von einem Karussell. Er sammelt Sachen, genauso wie ich, speziell Puppen, die ungefähr drei Fuß hoch sind und sehr echt aussehen. Meine Mutter war begeistert von ihnen.
Neben dem Haupthaus sind auf der Ranch noch ein Pool, vier Bungalows für Gäste und ein auf alt gemachtes Kino mit einer Popcorn-Maschine und Süßigkeiten und einem Brunnen aus dem Limonade strömt. Um von einem Gebäude zum Nächsten zu kommen und um die vielen Tiere draußen zu bestaunen muss man Golf Carts benutzen. Dort sind Michaels Giraffe und Kühe, die auf seinem Land weiden, aber eigentlich anderen Bauern gehören.

Beim Mittagessen –Huhn, Maiskolben und Kürbiskuchen- haben wir Michaels Affen kennen gelernt. Sein bekanntester, Bubbles, war nicht da, aber die anderen haben ihn gut ersetzt. Sie trugen alle Windeln und T-Shirts in unterschiedlichen Farben. Sie hatten ihre eigenen Babysitter und sie sind jeden Tag in die Schule gegangen um Benehmen zu lernen. Und ihr Benehmen war richtig gut! Während wir gegessen haben, sind sie herumgehüpft und haben mit unseren Schnürsenkeln gespielt. Ab und zu hat Michael sie gefüttert. Ich wollte mich von ihnen nicht verabschieden.
Ich habe mich in Michaels Nähe sehr wohl gefühlt, weil ich gemerkt habe, dass er genauso schüchtern ist wie ich. Er kam mir wie ein ganz normaler Mensch vor. Ich konnte mich bei ihm wirklich so richtig entspannen. Zum Essen gab es Saft und Pepsi. Meine Mutter hat gefragt ob es auch Coke gibt. Und dann ist ihr wieder eingefallen, dass Michael ja für Pepsi Werbung gemacht hat. Sie hat gedacht sie hätte alles vermasselt.

Michael lächelte. Er wusste genau was sie jetzt denkt. Er sagte dass sie wie seine Mutter sei. Also hat sich meine Mutter ein Herz gefasst und hat eine typische Mama-Frage gestellt. Sie sagte: „Michael, stimmt es, dass du in einem Sauerstoffzelt schläfst?“ Das hat damals die Klatschpresse über ihn geschrieben.
Michael hat gelacht. Dann sagte er „Jeanne, du weißt doch, was alles über dich und Ryan geschrieben wird.“
„Oh Mann, ich verstehe“ sagte dann meine Mutter.
Nach dem Essen hat mich Michael dann gefragt, ob ich mit seinem fourwheeler ein bisschen auf der Ranch rumfahren will. Ich sagte natürlich „ja“. Andrea hat dann sein Trampolin ausprobiert und Heather und meine Mutter haben den Pool getestet, an dessen Seite eine große Videoleinwand montiert war.
Michael und ich sind inzwischen über die Feldwege der Ranch gedüst. Ich saß am Lenkrad und er ist hinten mitgefahren.
Ich hab Gas gegeben und Michael hat gebrüllt „Fahr langsamer, Ryan!“ Nachdem wir einige Meilen gefahren sind hat er mich dann gefragt ob ich den Weg zurück zum Haus noch wüsste. „Klar“ sagte ich und hab einige Orientierungspunkte genannt.
„Schön für dich!“ sagte Michael. „Aber jetzt lässt du mich fahren!“

Als wir wieder bei Mom und den Mädels ankamen war es schon spät. Wir aßen hausgemachte Pizza zum Abendessen und dann war es Zeit, wieder zurück nach L.A. zu fahren. Ich habe Michael gesagt, dass ich wirklich so gerne ein Foto mit ihm zusammen hätte. Also hat er jemand beauftragt eine Polaroid Camera zu holen und ist mit uns zum Eingang der Ranch gefahren. Meine Mutter hat einige gute Fotos gemacht und dann haben wir uns verabschiedet.
Als die Limousine Richtung Autobahn fuhr hat Heather ihr Gesicht mit ihren Händen verdeckt und hat ihr Haar nach vorne und nach hinten geschüttelt und hat dann das lachen angefangen und konnte gar nicht mehr aufhören. Sie war schon mal richtig aufgeregt als wir nach New York in die Vorstellung von Cats gegangen sind und die Schauspieler als Katzen verkleidet auf die Bühne kamen. Aber das war nichts dagegen.
„Ich kann es einfach nicht glauben! Ich kann es nicht glauben!“ schrie sie. „Wir haben den Tag mit Michael Jackson verbracht. Ich kann es nicht glauben, dass wir bei Michael Jackson waren.“

An schlechten Tagen musste ich aufs Telefon zurückgreifen um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Michael hat angerufen um mir zu sagen, dass er hart an einem neuen Album arbeitet. Er war jeden Tag im Studio. Zwischendrin musste er außerdem noch Fotoshootings machen.
„Oh Mann“ sagte ich. Ich wusste wie das war. „Man muss so lange lächeln! Und dann sagt der Fotograf so was wie, „Lach genauso wie du gerade gelacht hast“ und ich will dann immer sagen, „Geb mir 'nen Spiegel damit ich das testen kann““
„Wir müssen uns mal wieder treffen und uns aus dem Staub machen“ sagte Michael. Er wollte wissen ob ich nach Weinachten mal wieder auf die Ranch kommen könnte.
Na ja, wenn Michael dich einlädt sagst du nicht vielleicht. Dr. Kleimann wusste, dass ich weiterkämpfen wollte und dass Ausflüge zur Ranch mir dabei halfen. Ich konnte mich auf ihn verlassen, dass ich fliegen durfte. Also antwortete ich Michael „Da kannst du drauf wetten.“ (...)

Dr. Kleimann hat keinen Grund gesehen, warum ich nicht zu Michael hätte fahren können. Ich liebe Weihnachten aber dieses Jahr konnte ich es nicht erwarten bis endlich der 28. Dezember war, an dem ich mich dann auf den Weg machen konnte. Meine Mutter und ich haben unseren schönsten Weihnachtsschmuck aufgehängt und haben zum 500sten Mal Miracle on the 34th Street geschaut. Mir hat es immer wieder gefallen, das kleine Mädchen zu sehen, das nicht an das Christkind glaubt und wie sie dann herausgefunden hat, dass es das doch gibt. „Erinnerst du dich, wie lange ich an das Christkind geglaubt habe?“ fragte ich sie.
„Ja, und ich erinnere mich daran, wie dich Andrea deswegen immer ausgelacht hat“, sagte Mom.
„Ich frage mich, ob sie überhaupt jemals daran geglaubt hat,“ murmelte ich.
Wie immer, hatte ich auch dieses Jahr eine lange Wunschliste.
„Du willst immer mehr Sachen und bessere Sachen“, beschwerte sich Mutter.
Dann ärgerte ich zurück und sagte: „Bei Weihnachten geht es nicht um Nehmen, sondern um Geben.“

Na ja wenigstens habe ich L.A. mit einer neuen Lederjacke verlassen und sah ziemlich cool darin aus. Michaels Sicherheitsleute haben mich in einer Limousine getroffen. Von da aus habe ich dann auch Mom angerufen um ihr zu sagen, dass ich gut angekommen bin. Wir haben Michael an seinem Apartment abgeholt und dann sind wir südlich Richtung Ranch gefahren. Michael sagte mir, dass ich besser aussehen würde als bei meinem letzten Besuch im Juni. Und ich habe gehofft, dass er Recht hatte. Vielleicht hat ja die Jacke etwas dazu beigetragen.
Die Fahrt hat ungefähr 3 Stunden gedauert. Die Limousine hat mich dann am Bungalow Drei rausgelassen, damit ich mich ein bisschen ausruhen konnte und Michael sagte „Wir sehen uns um sieben.“
Das war die Zeit fürs Abendessen. Und ich war total beunruhigt. Ich hatte Magenschmerzen und Krämpfe. Also hab ich Mom angerufen.
„Ich hätte nicht kommen sollen“, sagte ich ihr. „Ich will nicht krank sein, wenn ich hier bei Michael bin.“
„Na ja, du hast lange nichts gegessen“, fiel es Mom auf. Denn normalerweise brauche ich alle paar Stunden immer eine kleine Zwischenmahlzeit. Dann sagte sie „warum schaust du nicht erst mal, wie es dir nach dem Abendessen geht?“
Ich habe dann ein kleines Mittagsschläfchen gemacht und bin dann zum Haupthaus zum Abendessen gegangen – es gab Huhn, Rippchen und gebackene Kartoffeln. Dann sind Michael und ich zu seinem privaten Theater gegangen und haben zweieinhalb Stunden lang Three Stooges in der Wiederholung geschaut. Wir haben Popcorn von der Theatereigenen Maschine gegessen und haben uns vom Haus Pizza bestellt. Ich habe mich viel besser gefühlt und hatte eine tolle zeit. Jetzt war ich froh, dass ich gefahren bin.
Michael hat mir gesagt, ich soll am nächsten Morgen im Haus anrufen wenn ich aufgewacht bin. Mark, der Manager der Ranch und seine Frau haben alles gekocht. Sie haben mir dann eine Liste gegeben, aus der ich mir Essen fürs Frühstück auswählen sollte „Egal was du willst, wir kriegen das hin.“ Ich habeToast und Speck bestellt. Mein Zimmer war ein bisschen kühl, obwohl ich mir meinen Heizstrahler mitgenommen habe. Also haben sie mir noch einen Heizstrahler und ein Wärmekissen gebracht.

Ich mag deine Jacke,“ hat Michael dann gesagt, „aber ich will, dass du noch eine schwerere bekommst.“
Also sind wir zwei in Michaels Bentley in eine nahe gelegene Stadt gefahren. Ich darf den Namen der Stadt nicht verraten, weil Michael möchte, dass die Ranch ein privater Ort bleibt. Wir konnten die Jacke, an die Michael gedacht hatte, nicht finden, aber dafür hat er dann vier oder fünf Puppen für andere Kinder gekauft. Das Beste war, dass der Verkäufer nicht glauben wollte, dass Michael und seine Kreditkarte echt waren! Michael hat ihm dann die Nummer der Ranch gegeben und er hat angerufen um abzuklären ob mit der Karte alles passt und ob Michael wirklich der ist, für den er sich ausgibt.
Ich war sehr froh, als sich herausstellte, dass es Tacos zum essen geben würde. Danach habe ich Michael dann ein Video gezeigt, dass meine Mutter, Andrea und ich für ihn gemacht haben. Es zeigte das ganze Haus – jedes Zimmer, jedes Poster und jeden Schmuck, den wir an den Wänden hatten, Andreas Pokale vom Skaten und meine Sammlungen. Mit dem Video haben wir ihn durch die Wohnung geführt und haben in die Kamera gewunken und herumgekaspert.
„Wenn du uns jetzt mal besuchen kommst, dann wirst du dich in unserem Haus zurecht finden“, sagte ich ihm.

An dem Abend haben wir den neuen Indiana Jones Film Der letzte Kreuzzug geschaut. Zuhause hätten wir ihn nicht schauen können, aber hier habe ich eine private Vorführung bekommen.
Am nächsten Tag hatte Michael einige geschäftliche Treffen, also hat mich Mark mitgenommen um eine Bomberjacke zu kaufen. Genau das, das Michael für mich haben wollte, das schwerere. Als Michael wieder Zeit hatte, sind wir in die Stadt gefahren, um noch ein paar Geschenke für Mom und Andrea zu kaufen. Ich habe für Mom einen großen Nikolaus ausgesucht und zauberhafte Sachen für Andrea. Michael hat eine Filmcrew bestellt und wir haben zusammen einen Film über unsere Freundschaft aufgenommen – eigentlich haben wir umgekehrt genau das selbe gemacht wie wir mit meiner Familie damals für ihn.
Am Silvesterabend hat mir Michael eine wundervolle Uhr gegeben. Sie klingelt jede Stunde und hat einen eingebauten Wecker. Und sie sagt dir den Tag, den Monat und das Jahr.
„Danke“ sagte ich.
„Ich muss morgen früh gehen – bevor du gehst.“ sagte Michael dann. „Es tut mir leid, dass ich nicht da sein kann. Und es tut mir leid, dass ich das signierte Bild noch nicht für dich habe. Aber ich werde es dir schicken.“
Als wir uns zum Abschied umarmten sagte Michael noch „Gib niemals auf. Tu es für mich.“
Neujahr: mein letzter Tag auf der Ranch. Ich habe mit Max, einem von Michaels Affen, gespielt. Ich war froh, ihn wieder zusehen und er war wiederum froh, meine Schnürsenkel zu sehen. Ich habe eine Schnute gemacht um einen Kuss zu bekommen, und er gab mir einen dicken.
Dann habe ich Mom angerufen um ihr zu sagen, dass ich auf dem Nachhauseweg war.
„Am Eingang steht ein großer Karton für mich, den ich mit nach Hause nehmen soll“, sagte ich ihr. „Das macht mich total verrückt. Was meinst du was da drin ist?“
Es war eine komplett neue Stereoanlage mit CD-Wechsler. Einige Tage später habe ich dann noch ein Foto von Michael bekommen, das er mit „To Ryan“ (= „Für Ryan“) signiert hat. Auf dem Bild hat er rot, schwarz und weiß getragen. Danke, Michael!