Die nächste Woche war Ryan bewusstlos und in einem kritischen Zustand. Er war auf der Intensivstation im Riley Krankenhaus. Dr. Kleimann hat Jeanne gesagt, dass Ryan keine Schmerzen hätte. Aber Ryans Überlebenschancen lägen bei nur zehn Prozent. (...)

Während der folgenden Tage war Ryan nie allein. Jeanne und Andrea blieben bei ihm auf der Intensivstation und hörten auf das pumpen des Beatmungsgerätes und auf den Piepton des Bildschirms, der die Herztöne anzeigt.
Laura Kreich Block, Ryans Lieblingskrankenschwester, arbeitete damals schon in einem anderen Krankenhaus, aber sie hat sich bereit erklärt, zurück ins Riley zu kommen um sich mit um Ryan zu kümmern. Nach seinem Anruf sind seine Großeltern nach Indianapolis geeilt, ebenso seine Tante Janet, sein Onkel Leo mit seinen Kindern, sein Onkel Tommy mit Tante Deb und deren Kindern und sein Stiefvater Steve Ford. Aber sie sind alle zu spät gekommen um mit Ryan noch einmal reden zu können, doch sie haben noch viele Tage mit ihm verbracht und haben versucht, sich gegenseitig aufzubauen. Sein Vater, Wayne White, kam öfters ins Krankenhaus.

Elton John ist hergeflogen und hat Jeanne gesagt, „Ich bin da, um euch zu helfen.“ Er hat Bodyguards mitgebracht, die auf der Intensivstation Wache hielten. (...)

Eine von Eltons Aufgaben war, die Übersicht über alle Anrufe und Post zu behalten, die Ryan und seine Familie erhielten. Einige Schulen schickten selbstgemachte Poster auf denen „Halt durch, Ryan!“ stand. Darunter die ganzen Unterschriften der Kinder. Jeanne, Andrea und Elton haben sie in Ryans Zimmer aufgehängt, neben Bildern von allen besorgten Leuten. Ryan bekam so viele Blumen, dass seine Familie und Freunde sie an andere Patienten weitergaben.

Es gab kein Telefon in Ryans Zimmer, aber als Michael Jackson angerufen hatte, haben Elton und Jeanne das Krankenhaus um eine Ausnahme gebeten. Michael hatte zwei Minuten um mit ihm zu sprechen. „Ryan“, sagte Elton John, „du kannst so einen Superstar nicht enttäuschen. Verglichen mit Michael bin ich nur zweitklassig.“ Er hielt das Telefon an Ryans Ohr, damit Michael ihn ermutigen konnte.

Dr. Kleimann sagte zwar, dass Ryan nicht mitbekam, was um ihn herum geschah, aber einige Freunde hatten das starke Gefühl, dass er bei ihnen war.
„Ich habe Dinge gesagt, von denen ich nie gedacht hätte, dass ich sie jemals jemand erzählen werde,“ erinnert sich Jill.
„Wir sind bei dir, Ryan,“ sagte Dee zu ihm. „Gib die Hoffnung nicht auf“,
„Komm schon – wir müssen doch zum Abschlussball gehen“, sagte Heather zu ihm. „Und vergiss meinen Geburtstag nicht. Du hast es mir versprochen.“
Ryan war im November zu krank um Heather ins Ben&Jerry's einzuladen. Er sagte, dass sie da hingehen würden, wenn er von Kalifornien zurück sei.

An einem Abend im Krankenhaus schauten Jeanne, Elton, Ryans Großeltern und Onkel Tommy ein kurzes TV-Special über Ryan. Ganz am Ende des Films sagte Ryan dass er seinen Ruhm „ganz einfach so“ gegen Gesundheit eintauschen würde – dabei schnippte er mit seinen Fingern.
Jeanne fing an zu lachen. Das war Ryan. Es tat ihr gut, ihn so gesund und selbstsicher zu sehen. Dann schaute sie die anderen an und bemerkte, dass sie alle weinten. Ich sollte eigentlich auch traurig sein, dachte sie sich, aber ich bin so stolz. Er hat da so gut ausgesehen.

Am darauf folgenden Samstagabend, als Ryan schon eine Woche bewusstlos war, hat Elton kurz das Krankenhaus verlassen um zusammen mit John Mellencamp und Jesse Jackson das „Fourth Annual Farm Aid Concert“ zu besuchen. Auf der Bühne kündigte er an: „Das ist für Ryan“, und er begann „Candle in The Wind“ zu singen. Andrea und Heather haben von der Seite aus zugesehen. Als das Lied zu ende war und die Menge applaudierte warteten sie auf Elton, aber er raste an ihnen vorbei ohne ein Wort zu sagen. Sie wussten, dass er das Krankenhaus alle 15 Minuten anrief, also musste es um Ryan schlechter stehen. Sie rasten zurück zum Krankenhaus.
Als Andrea, Heather und Elton vom Konzert zurückkamen war Dr. Kleimann davon überzeugt, dass Ryan es nicht mehr lange durchhalten würde. Sein Blutdruck war gefährlich gesunken und fiel immer noch.
Ungefähr um ein Uhr am Sonntagmorgen rief Michael Jackson wieder von Atlantic City an. Als ihm Jeanne sagte, dass Ryan wahrscheinlich nicht mehr lange lebt, sagte Michael, dass er sofort nach Indianapolis fliegen würde.
Um ungefähr zwei Uhr morgens öffnete eine Krankenschwester Ryans Augenlider und machte das Licht in Ryans Zimmer ein paar Mal an und aus.
Jeanne sah, dass sich in Ryans Augen nichts veränderte. Die Pupillen weiteten sich nicht mehr. „Da wusste ich, dass er es diesmal nicht schaffen würde“, sagte sie.
Aber Ryans Herz war nicht stehen geblieben. Jeanne machte sich Sorgen, dass er vielleicht mit sich rang und versuchte ihretwegen am Leben zu bleiben. Also sagte sie ihm „Lass los, Ryan. Es ist in Ordnung, Liebster.“

Ryan starb am 8. April um 7:11Uhr morgens. Es war Palmsonntag. Jeanne gab ihm einen letzten Kuss und machte dann sein Nachtlicht aus, das ihn beschützen sollte. Andrea umarmte ihn ganz lange; sie wollte ihn nicht allein lassen. Also sagte Laura zu ihr „Ich bleibe so lange bei ihm, bis er ins Leichenhaus gebracht wird.“ In der Nähe von Ryans Zimmer versammelte Reverend Probasco Jeanne, Andrea, Ryans Großeltern, seine Onkel, Tanten, Cousins, Elton, Heather und einige Freunde in einem Kreis. Sie nahmen sich an der Hand um zu beten und um sich von ihm zu verabschieden.

Michael & Ryan´s Mum
Michael & Ryan´s Mum

Gleich nachdem Michael ankam, ging er sofort zum Haus der Whites in Cicero. Es tat ihm sehr leid, dass er es nicht geschafft hatte, bevor Ryan gestorben ist. Er ging hinauf in Ryans Zimmer, das voll von seinen Sammlerstücken, Postern und Souvenirs war (unter anderem auch sein Director's Chair vom Filmset). In dem Stuhl saß ein riesen Plüschgorilla den Ryan in New Orleans gesehen hatte und den ihm die National Education Association geschickt hat. An den Wänden waren Alyssa Milanos Freundschaftskette, Max Headroom Poster und die Herzen von Kris, Ryans alter Freundin aus Kokomo. Von der Decke hing ein echter Fallschirm, ein Geschenk von Tante Janet, und tausend Papierkraniche – ein japanisches Symbol für langes Leben, die eine Schule aus Indiana für Ryan gefaltet hat. Im Schrank hing die schwere neue Lederjacke, von der Michael wollte, dass er sie trug.
Michael, der auch ein G.I.Joe Sammler war, setzte sich und schaute sich eine lange zeit lang einfach nur um. Später sagte er Jeanne, dass er sich Ryan sehr nahe gefühlt habe, als er in seinem Zimmer gesessen hat. Jeanne bot ihm an, zum Andenken etwas aus seinem Zimmer mitzunehmen, aber er bat sie, Ryans Zimmer genau so zu belassen.
Im Vorgarten der Whites stand der rote Mustang, den Michael Ryan geschenkt hatte. Jetzt war dieser mit Blumen und Ostereiern bedeckt – Geschenke von Kindern. Andrea nahm Michael mit nach draußen um ihm den Wagen zu zeigen und sie setzten sich hinein. Als Michael den CD-Player einschaltete lief Ryans Lieblingslied, Michaels „Man In The Mirror“, Michael lächelte stolz. Er wusste, dass das das letzte Lied gewesen sein musste, das Ryan gehört hatte.
Jeanne erzählte Michael, dass sie ein Telefongespräch aufgezeichnet hatte, das er mit Ryan geführt hatte. Sie hatte Angst, dass Michael es ihr übel nehmen würde, aber er sagte nur, dass es zu schön gewesen wäre, wenn sie all ihre Gespräche aufgenommen hätte.

Ryan trug, genau wie er es wollte, seine Jeans und ein Jeanshemd, ein Surf-Shirt, Sneakers, seine Lieblingsbrille und die Uhr, die ihm Michael geschenkt hatte.
Der Morgen von Ryans Beerdigung am 11. April war kalt, windig und es nieselte. Vor der größten Kirche in Indianapolis wartete eine lange Schlange von Menschen in ihren besten Anzügen, um Ryans Leichnam zu sehen. Da Ryan seinen Ruhm nie ernst genommen hatte, dachte Jeanne, dass er erstaunt sein würde. Sie sagte, „Ich wette, er hat runtergeschaut und gelacht. Er hat sich bestimmt gesagt „Ich kann es nicht glauben, dass ihr alle nass werdet um mich zu sehen““

RIP Ryan

 

 

Quelle: MALIBU Fan Club

 

Autor: Bina Hofberger
Übersetzungen: Gabriele "Maja" Hüben
Copyright: © MALIBU Michael Jackson & Family Fan Club

Contains extractions of "Ryan White: My Own Story"
Written by Ryan White and Ann Marie Cunningham
Published by Signet, an imprint of New American Library, a division of Penguin Group (USA) Inc.
Copyright by Jeanne White and Ann Marie Cunningham
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