Jonathan Exley

Er war über zwölf Jahre lang ein enger Freund von Michael Jackson: Im stern.de-Interview spricht Fotograf Jonathan Exley über Jacksons Humor, seinen Umgang mit den Kindern und wie er nach seinem Prozess gelitten hat.

 

Mr. Exley, Sie haben Michael Jackson mehr als zwölf Jahre lang fotografiert - für seine Plattencover, mit seinen Kindern in "Neverland", auf Tourneen und Charity-Reisen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?


Meine Make-up-Künstlerin hat uns zusammengebracht, sie hat viel für Michael gearbeitet. Das war 1992, er hatte gerade "Remember the Time" herausgebracht. Ich bin eher ein Dylan-Fan, ich wusste gar nicht so viel über ihn. Aber ich hab mir eines seiner Konzerte angesehen. Das hat mich buchstäblich umgehauen. Von da an haben wir viel zusammen gemacht.

 

War er einfach im Umgang?

Ja, er war extrem professionell. Und beim Fotografieren sehr kreativ, er gab viele Anregungen und war immer bereit, etwas Neues auszuprobieren. Er hatte ziemlich viel Ahnung von Beleuchtung und Bildaufbau, wir haben uns echt gut ergänzt.

 

Haben Sie nach den Foto-Shootings auch privat mit ihm Kontakt gehabt?

Natürlich, wir haben die ganze Zeit miteinander geredet - aber meistens über Bilder. Er war ein sehr visueller Mensch, an Fotokunst interessiert. In der Öffentlichkeit war er sehr scheu, aber privat ganz anders. Wenn nach der Arbeit noch ein paar Leute mit ihm rumhingen, wurde oft und sehr laut gelacht.

 

Hatte er Humor?

Oh ja, und zwar von der Sorte: Sei vorsichtig, bevor du dich auf deinen Stuhl setzt, da könnte was Pupsendes drauf liegen... Er liebte Streiche.

 

In Ihren Bildern blickt er größtenteils ernst drein, fast traurig.

In seinem Leben gab es keine Traurigkeit! Aber Michael hatte eben viele Facetten. Er konnte, wie gesagt, ziemlich ausgelassen sein, aber manchmal wollte er sich von seiner ernsthaften Seite zeigen. Er wusste genau, welchen Effekt eine bestimmte Pose, eine bestimmte Einstellung hat. Wir reisten einmal zusammen nach Af-rika. Er wollte, dass ich ihn beim Besuch von Schulen fotografierte, für die er gespendet hatte - ohne ihn, das wusste er, hätte sich kein Mensch für solche Projekte interessiert, zumindest hier in Amerika. Es war bei solchen Gelegenheiten, dass ich ihn am glücklichsten erlebte, er war so voll Energie und Leben.

 

Sie haben ihn mit Prince Michael, heute zwölf, seiner heute elfjährigen Tochter Paris und dem siebenjährigen "Blanket" fotografiert. Wie war er im Umgang mit seinen Kindern?

Ein toller Vater. Er wollte, dass seine Kinder höflich und bescheiden auftreten, und bestand darauf, dass sie immer "bitte" und "danke" sagen. Er wollte ihnen die Kindheit ermöglichen, die er nie erleben durfte. Jeder hat gemerkt, dass Kinder ihm viel bedeuten.

 

Im Jahre 2005 wurde er wegen Kindesmissbrauchs angeklagt - und vier Wochen später nach einem Aufsehen erregenden Prozess in allen Anklagepunkten freigesprochen. Haben Sie in dieser Zeit mit ihm Kontakt gehabt, mit ihm gesprochen?

Nein! Ich habe nie mit ihm darüber gesprochen, aber ich weiß, er war vollkommen fertig. Meiner Meinung nach waren die Kläger manipulative, gierige Leute, die sein Leben zerstören wollten. Er hat nichts falsch gemacht. Aber das ist auch schon alles, was ich dazu sagen will. Die Spekulationen in den Medien über alles, was mit Michael Jack-son zu tun hat, sind doch völlig außer Kontrolle. Ich sehe nicht mal fern zur Zeit, das ganze Theater macht mich krank.

 

Was für einen Eindruck machte er auf Sie während des Prozesses?

Er war sehr schwach, sehr zerbrechlich. Wie würden Sie denn mit so etwas umgehen? Dieser Mann war ein Ausnahmetalent, nur daran will ich mich erinnern. Einmal brachte ich meine Gitarre mit in sein Studio. Er nahm sie auf und probierte ein paar Griffe. Komm schon, spiel auf ihr, sagte ich. Er erwiderte, dass er kein Instrument beherrsche, "aber deine Gitarre ist sehr gut gestimmt. Ich kann das beurteilen, ich habe das perfekte Gehör."

Hat sein Tod Sie überrascht? Sehen Sie, wir hatten ein tolles Verhältnis zu einander. Ich will über ihn oder sein Leben kein Urteil fällen. Wissen Sie noch, wie Sonny Bono starb? Beim Skifahren raste er in einen Baum und war tot. Was hat ihn umgebracht? Der Baum! Ein plötzlicher Stopp beendete sein Leben. Und das ist alles, worauf es ankommt. Sonny Bono lebt nicht mehr. Das Gleiche gilt für Michael Jackson. Sein Leben war plötzlich und unerwartet zu Ende. Das ist sehr traurig. Aber wir können es nicht ändern. Und ich persönlich will mich von nun an meinen Freund erinnern, der ein großer Künstler war, ein Menschenfreund und Vater.

 

Interview: Christine Kruttschnitt

Quelle: STERN