" im Grunde ein bescheidener Mensch"

Dieser Artikel stand am 12.03.2010 in unserer Tageszeitung Freies Wort  und mit Sicherheit auch in der stz.

 

 

 

Die Show "Thriller live" über Michael Jackson kommt nach Erfurt. Ihr Schöpfer: Adrian Grant, ein langjähriger Freund des Sängers. Wir sprachen mit dem Briten.

Der König des Pop soll für einen Abend noch einmal lebendig werden - bei der Bühnenshow "Thriller live". Das Spektakel aus dem Londoner West End macht Station in Erfurt. Schöpfer und Co-Produzent ist der Brite Adrian Grant. Grant war fast 20 Jahre lang mit Michael Jackson befreundet. Wir sprachen mit ihm über Begegnungen mit dem Star und über die Herausforderung, ihm auf der Bühne gerecht zu werden.

 

Herr Grant, Ihre erste Begegnung mit Michael Jackson werden Sie vermutlich nie vergessen.

Das war fantastisch. Die beeindruckendste Erfahrung in meinem Leben. Es war 1990. Ich gab damals das Fanmagazin "Off the Wall" heraus. Michael hörte davon und lud mich ein zu den Aufnahmen für das Album "Dangerous". Es war großartig, ihn im Studio bei der Arbeit zu sehen. Dann kam er plötzlich einfach um die Ecke, singend, und stand vor mir. Das war unglaublich.

 

Wie war seine Art zu arbeiten?

Er war ein Genie. Im Studio war er in seinem Element. Er gab immer alles für seine Musik. Das war sein Leben. Ich denke, er wusste genau, was er von der Musik wollte, wie es klingen sollte. Und doch war er ein ganz normaler Musiker, der hart arbeitete, aber auch scherzte und gerne lachte.

 

Jetzt sind Sie mit Ihrer Show "Thriller Live" auf Tour. Ist es nicht schwierig, einem Perfektionisten wie Michael Jackson dabei gerecht zu werden?

Auf jeden Fall. Es ist mir sehr wichtig, dass die Show Michael Jackson angemessen feiert. Deshalb haben wir eine große Auswahl an Sängern und Tänzern und natürlich eine Liveband. Sie arbeiten hart, um es wirklich perfekt zu machen. Mir ist es am Wichtigsten, dass wir das große Erbe Michael Jacksons respektieren. Die größte Herausforderung war es, die richtigen Sänger zu finden, denn Michael war einfach ein fantastischer Musiker und Tänzer.

 

Deshalb werden sich fünf Künstler die Rolle teilen...

Ja, ich wollte keine Ein-Mann-Show daraus machen. Es gibt einen Rock-Michael, der Songs wie "Beat It" and "Dirty Diana" singt, einen für den Soul und einen für die Pop-Seite seiner Musik. Einige Stücke werden von einer Frau gesungen, denn Michaels Stimme reichte über vier Oktaven. Es gibt kaum einen Sänger, der diese Bandbreite schafft. Und dann gibt es natürlich einen kleinen Jungen, der die frühen Hits der Jackson Five singt. Wir wollen die Leute auf eine Reise mitnehmen und Michael Jacksons Leben mit ihnen feiern.

 

Sie haben ihn mehr als 20 Jahre lang gekannt. Wie hat ihn das ständige Interesse der Öffentlichkeit verändert?

Er hatte natürlich weniger Rückzugsmöglichkeiten, je berühmter er wurde. Und das Problem war, dass er schon mit zehn Jahren berühmt war - immer im Rampenlicht. Die halbe Welt schaute zu, wie er aufwuchs. Er hatte nie eine Kindheit. Deshalb war er anders. Und es gab wenige Leute, denen er wirklich vertrauen konnte. Aber in den Jahren, die er mit seinen Kindern verbrachte, war er glücklich. Das Familienleben war ihm sehr wichtig. Man sieht auch, dass die Kinder gut erzogen worden sind, und das ist Michaels Vermächtnis. Er war ein guter Vater.

 

In den letzten Jahren sind vor allem exzentrische Seiten bekannt geworden. War das eine Maske, mit der er sich vor der Öffentlichkeit schützen wollte?

Immer wieder haben Medien versucht, seine Ranch zu analysieren, und haben dabei oft ein falsches Bild vermittelt. Dabei war das einfach ein fantastischer und wunderschöner Ort. Jeder, der viel Geld hat, erfüllt sich doch einen Traum. Michael hatte eben seine Ranch, mit diesen großartigen Tieren: Giraffen, Tiger... Und eine Kirmes. Aber das alles war nicht nur zu Michaels Vergnügen da, sondern vor allem für seine Gäste und Fans. Es war einer der schönsten Orte, an denen ich jemals gewesen bin, und es war nichts Anstößiges daran. Auf der Neverland Ranch hatte Michael seine Ruhe, dort fühlte er sich wohl.

 

Wie behalten Sie Michael Jackson in Erinnerung?

Als einen humorvollen und warmherzigen Menschen. Einen, der oft Späße machte wie ein Kind. Er war ein Freund, mit dem man gut reden konnte. Und im Grunde war er ein sehr bescheidener Mensch. Es ist eine große Ehre und ein Privileg, dass ich ihn kennen lernen durfte.

 

Interview: Eva-Maria Simon

 

Quelle: Freies Wort