Geraldo Rivera Interview (5. Februar 2005)

Geraldo: Wie geht’s dir, Mann?

Michael: Wie geht es dir?

Geraldo: Es tut gut dich zu sehen. Du kannst noch lächeln?

Michael: Natürlich. Ich lächle viel.

Geraldo: Du lächelst, wenn du in einem Aufnahmestudio wie diesem bist und Musik machst?

Michael: Natürlich, ich liebe Musik.

Geraldo: Tut es dir gut zur Musik zurückzukehren?

Michael: Es ist fantastisch. Weil … aaahhh … es ist mein Leben. Das ist es was ich tue.

Geraldo: Du wurdest so sehr abgelenkt, weißt du, möchtest du darüber reden wie du dich fühlst?

Michael: Es geht mir gut, Geraldo. Wie geht es dir?

Geraldo: Trotz allem was da vorgeht in der Welt, geht es dir gut?

Michael: Ja, es ist alles in Ordnung, danke.

Geraldo: Weißt du, es war wundervoll dich mit den Kindern zu sehen. Das ist, denke ich, der wirkliche Michael Jackson, den man noch nicht gesehen hat … du mit deinen eigenen Kindern, eines in Windeln und zwei andere Kleinkinder … Ich weiß nicht, wie du das ohne eine Nanny schaffst.

Michael: Nun, ich kümmere mich gerne selbst um meine Kinder … es ist schön. Darum hab ich sie auch bekommen, damit ich mich selbst um sie kümmern kann und es ist eine große Erleichterung für mich, weißt du, eine Freude. Es macht mich glücklich und froh und, weißt du, sie sind wundervolle, süße, unschuldige Kinder.

Geraldo: Ich sah dich als eine Art Vermittler zwischen ‘Nickelodeon’ und dem ‘Disney Channel’. Du hast da einige wirklich schwierige Probleme zu lösen. Aber du hast da so ein - eine Art normales Leben. Es ist süß das anzusehen.

Michael: Danke. Sie ermöglichen mir das.

Geraldo: Erzähl mir, was dir Kinder bedeuten, deine eigenen Kinder.

Michael: Sie bedeuten … es ist schwer das in Worte zu fassen, denn sie bedeuten mir alles. Das wäre dasselbe wenn du erklären würdest, was deine Kinder dir bedeuten … Sie sind die Welt für mich. Ich wache auf und ich bin bereit für den Tag, weil sie da sind. Ich mache ihnen Frühstück, wechsle Windeln, wenn sie lesen wollen - wir lesen eine Menge, wir spielen verstecken, wir spielen Blinde Kuh und wir haben viel Spaß dabei.

Geraldo: Und kannst du ihnen eine Welt bieten die wenigstens ein bisschen an Normalität grenzt? Sie kennen aber offensichtlich sowieso keine andere Welt.

Michael: Sicher, ich tue mein Bestes.

Geraldo: Nun, das hat offenbar eine hohe Priorität für dich.

Michael: Ja natürlich. Ich möchte natürlich der beste Vater in der Welt sein.

Geraldo: Wissen sie wer du bist? Oder was du für die Leute bedeutest?

Michael: Ja, das tun sie. Sie waren auf Reisen mit mir und in Limousinen zwischen einem Meer von Fans.

Geraldo: Mögen sie es?

Michael: Sie finden es aufregend. Sie möchten auf die Bühne. Sie betteln, damit sie mit mir auf die Bühne dürfen. Nun, sehr bald nehme ich sie mit mir mit und zeige sie der Welt zum ersten Mal.

Geraldo: Sie sagen nicht: „Daddy, ich möchte nach Hause und ‘Nickelodeon’ schauen?“

Michael: [lacht] Vermutlich, vermutlich.

Geraldo: Das machen sie auch?

Michael: Ja.

Geraldo: Also, wie fühlst du dich wieder hier zu sein, in einem Aufnahmestudio? Sich wieder auf die Musik zu konzentrieren? Ist es eine Erleichterung, irgendwie?

Michael: Es ist eine große Erleichterung. Es gibt mir das Gefühl zu Hause zu sein. Das bin ich. Das ist es warum ich hier bin. Egal welche Kunst … es könnte Film sein, weißt du, Musik, egal was … ich liebe es.

Geraldo: Nun, wenn du der so genannte ‘King of Pop’ bist, fühlst du dich dann am Wohlsten? Oder ist es der kreative Prozess?

Michael: Der kreative Prozess, ja. Ich bin besessen davon …

Geraldo: Ich habe dich und Randy gesehen, die Art wie ihr beide reagiert - es erinnert mich an meine Brüder und mich. Wer hat das Sagen?

Michael: Randy.

Geraldo: Das ist nicht das was ich gesehen habe …

Geraldo: Aber, uh, du vertraust deiner Familie.

Michael: Natürlich, das muss man.

Geraldo: Ist es wahr, dass ‘Blut dicker als Wasser ist’? Oder was ist es?

Michael: Die Familie ist alles. Es ist Liebe. Das wurde uns beigebracht. Wir sind am Ende des Tages Freunde, das ist wichtig. Egal was die Öffentlichkeit oder die Presse sagt, wir sind Freunde. Wir lieben uns sehr.

Geraldo: Die Familie ist glücklich vereint, trotz den Gerüchten und Skandalen?

Michael: Das ist Sensationsgier.

Geraldo: Wie gehst du damit um?

Michael: Wie ich mit Sensationsgier umgehe?

Geraldo: Ja. Wie gehst du damit um, dass alles in deinem Leben auseinander genommen und genauestens untersucht wird? Es ist fast grotesk.

Michael: Es ist wie einen Spielfilm anzusehen. Denn es ist nur ausgedacht. Es ist, wie wenn du einen Science-Fiction Film anschaust. Es ist nicht wahr. Ich kenne mich selbst und es ist traurig, wenn Leute diese Dinge über dich lesen und es glauben.

Geraldo: Fühlst du dich als würdest du jede Woche eine Pressekonferenz halten und sagen: „Das ist das Gerücht des Tages, es ist nicht wahr.“

Michael: Ich weiß, dass die Wahrheit siegen wird und ich bin für die Wahrheit.

Geraldo: Ich hab recherchiert und ich kann absolut keinen anderen finden, der so frivol für die absurdesten Dinge verklagt worden ist, wie du. Einer deiner Anwälte erzählte mir, dass eine Frau namens ‘Billie Jean Jackson’ angerufen hätte und gesagt hat: „Hör auf irgendwelche Schecks anzunehmen, Herr Anwalt. Ich bin die Frau.“ - ‘Billie Jean’ … offenbar von deinem Hit, ich meine, wie … Also, wie beeinflusst dich das?“

Michael: Beeinflusst es mich? Ja, aber ich bin auch irgendwie immun dagegen geworden. Ich habe eine dicke Haut aber zur selben Zeit bin ich auch nur ein Mensch. Also, so was kann wehtun, aber ich bin sehr stark. Und ich mag es einfach nicht, wenn die Leute diese falschen Informationen zu hören bekommen.

Geraldo: Zum Beispiel: Bist du Vater von Vierlingen geworden im letzten Jahr?

Michael: Das war ein verrücktes Gerücht.

Geraldo: Dann wurden Zwillinge aus ihnen. Ich weiß nicht, was mit den andern beiden passiert ist… vielleicht sind sie von Außerirdischen entführt worden?

Michael: Ich habe diese Geschichte gehört und ich hab keine Zwillinge. Sie haben gesagt, ich verstecke sie oder so. Ein anderes Gerücht.

Geraldo: Das ist also komplett falsch.

Michael: Je größer der Star, umso größer das Ziel. Ich versuche nicht zu sagen, dass ich der super-duper Star bin, das sage ich nicht. Ich sage nur, dass Stars Zielscheiben sind. Aber die Wahrheit siegt immer. Ich bin sicher. Ich glaube an Gott, weißt du?

Geraldo: Hält dich dein Glaube aufrecht?

Michael: Natürlich tut er das.

Geraldo: Wie ist es mit Freundschaft?`

Michael: Was ist mit Freundschaft?

Geraldo: Verlässt du dich auf Freunde? Sind Mensche da, die mit dir durch dick und dünn gegangen sind? Wer sind deine besten Freunde?

Michael: Meine Kinder, meine Familie, meine Brüder und Schwester und ja, die meisten Leute sind mit mir durch dick und dünn gegangen. Die meisten Leute.

Geraldo: Möchtest du einige Namen dieser Unerschütterlichen nennen?

Michael: Die Treuen. Du würdest sie nicht kennen, so es ist … uh …

Geraldo: Elizabeth Taylor?

Michael: Oh, sie ist sehr loyal. Ich sehe Elizabeth Taylor die ganze Zeit. Sie ist mein guter Freund, ich war gerade bei ihr. Wir haben wunderbare nächtliche Telefongespräche, manchmal mehrmals die Woche …

Geraldo: Wie lange seid ihr beiden Freunde?

Michael: Ich kenne Elizabeth gut seit ich 16 bin …

Geraldo: Und du machst Musik seit du fünf bist.

Michael: Ja.

Geraldo: Du machst also sein fünf Jahrzehnten Musik. Das sind 41 Jahre Musik machen.

Michael: Ja.

Geraldo: Hast du es jemals satt?

Michael: Nein, nein - ich kann niemals genug davon bekommen.

Geraldo: Wirklich … hast du Randy jemals satt [lacht]. Er ist hier, Ladies und Gentlemen.

Michael: Nie, nie, nie … er ist wunderbar. Er war atemberaubend, unterstützend und wirklich brillant.

Geraldo: Nun, es sind alle unterschiedlich. Deine ganze Familie ist verrückt, exzentrisch … wie meine Familie.

Michael: Jeder Bruder, jede Schwester ist komplett unterschiedlich, wie in jeder Familie. Man hat alle verschiedenen Elemente … das ist es was eine Familie ausmacht.

Geraldo: Jetzt, wo dein Leben so genau untersucht wird, wie lebst du da ‘normal’ weiter? Wie hast du irgendeine schöne Zeit außerhalb deines eigenen Anwesens?

Michael: Das hab ich nicht. Ich geh manchmal raus, aber nicht immer. Ich kreiere meine Welt hinter den Toren, weißt du, denn ich kann nicht in ein öffentliches Kino die Straße runter gehen, oder in den Park oder Eiscreme am Stand an der Ecke kaufen. Nun, man möchte sich daher eine Welt hinter den Toren bauen und das ist es, was ich versuche und auch tue. Und es ist nicht nur für mich. Ich teile das mit meiner Familie, Freunden oder wem-auch-immer.

Geraldo: Und genau dadurch kommen die verrückten Gerüchte und Spekulationen ins Rollen. Ein schwieriger Balance-Akt den du da zu ertragen hast.
Aber du beschwerst dich nicht, oder? Ich nicht. Ich versuche es abzuschütteln. Ich weiß nicht, wovon ich der König bin … Der König auf den man schießt vielleicht … Ha Ha Ha Ha.

Michael: ‘The King of Journalism’

Geraldo: Was ist mit den Kindern in Not? Du hast einen Tsunami-Nothilfeversuch erwähnt. Was ist es? Ist es deine eigene Vaterschaft, die dich dazu motiviert?

Michael: Sorge motiviert mich. Und das Lesen der Bibel, über Gott zu lernen, Jesus und Liebe. Er sagte: „lasset die Kinder zu mir kommen.“, „nehmt euch die Kinder zum Vorbild“, „seid wie Kinder“ und „kümmert euch um andere“. Kümmert euch um alle Leute. Und wir sind mit diesen Vorgaben aufgezogen worden. Das sind sehr wichtige Aufgaben und meine Familie und ich, wir sind damit großgezogen worden und das ist noch immer tief in uns verankert.

Geraldo: Was ist mit Filmen? Du hast ‘The Wiz’ gemacht und einige andere, aber wir haben dich seit einer Weile auf keiner Leinwand mehr gesehen.

Michael: Ich werde selbst Regie führen. Ich liebe es Regie zu führen. Ich liebe Kreativität und denke, wenn ein Künstler einige Schritte in eine neue Richtung geht, dann kann er sich selbst besser ausdrücken. Ich fühle und ich sehe es. Ich bin ein Visionär. Wenn ich das geben kann, und tue und das ist es, was ich gerne tue mit meiner Musik, und Tanz und allem.

Geraldo: Und denkst du, dass Kunst eine Rolle im wahren Leben hat? Ich beziehe mich auf das Tsunami Hilfe Lied.

Michael: Ich habe es am Tag nach Weihnachten gesehen als die Zahlen nicht aufhörten zu steigen, es war Wahnsinn und ich konnte es nicht glauben. Ich war erstaunt. Ich sagte, ich denke ich sollte etwas tun. Das ist es, wofür uns Gott unser Talent gegeben hat: um zu geben und Menschen zu helfen und es damit zurückzugeben. So haben sich meine Brüder und ich entschieden, ein Lied zu machen …

Geraldo: Wie? … Hast du jetzt einfach das Telefon genommen und gesagt: „Hey Brüder?“ Was hast du gesagt?

Michael: Wir haben nur gesagt, hey, wir wollen etwas für die Tsunami-Opfer tun. Lasst uns zusammenkommen und was auf die Beine stellen. Und sie haben nur gesagt, dass das großartig wäre.

 Geraldo: Wie auch immer, du bist zurück, und ich denke, dass die Leute dass sehr gerne sehen. Würdest du nicht aufleben in einer Welt, wo du dich auf deine Kunst und deine Kinder konzentrieren kannst?

Michael: Ich würde es lieben. Ich meine, dass ist es was mich antreibt. Das Medium. Die Kunst. Das ist die Welt in der ich mich am wohlsten fühle.

Geraldo: In Gary, Indiana, hast du da jemals erwartet, wie die Welt für dich sein würde, wenn du 46 bist?

Michael: Ich dachte nie darüber nach. Ich wusste, ich wollte etwas Wunderbares tun in meinem Leben und Leuten helfen, aber ich hab nie genauer darüber nachgedacht, als ich noch klein war. Ich habe nur gesungen und getanzt und ich habe nicht verstanden, warum die Leute applaudiert haben und schrieen und klatschten. Das versteht man nicht. Man weiß nicht warum …

Geraldo: Als du quasi auf der Bühne aufgewachsen bist, wann hast du es verstanden? Wann hast du verstanden, wo du hingehörst?

Michael: Man braucht länger, wenn man älter wird. Die Persönlichkeit hat sich entwickelt und dein Horizont erweitert sich. Man fängt an Zusammenhänge herzustellen und einige Dinge zu verstehen, zu untersuchen.

Geraldo: Ist es nicht schön, so eine Konversation zu haben, die im Fernsehen übertragen wird, wo du dich einfach normal geben kannst?

Michael: Ich bin immer so. Ich bin einfach ich.

Geraldo: An einem bestimmten Punkt, haben sich Michael Jackson und seine Brüder künstlerisch getrennt. Ist das jetzt ein Punkt in deinem Leben wo ihr wieder zusammenfindet?
Offensichtlich setzt du deine Solokarriere weiter fort, aber was ist der weitere Plan, wie soll es jetzt weiter gehen in deinem Leben? Was möchtest du noch erreichen?

Michael: Da gibt’s eine Menge. Filme. Ich liebe Filme. Es ist innovativ, es bringt das Medium auf eine neue Ebene. Ich hab das Musik-Video zu ‘Short-Films’ (Kurzfilmen) gebracht, um es auf eine neue Ebene zu bringen. Ich habe eine Menge Spaß damit.

Geraldo: Schaust du jemals zurück und sagst: „Oh mein Gott, ‘Thriller’ ist das am meistverkaufte Album aller Zeiten. Wie gehst du damit um?

Michael: Ich versuche, nicht zu oft darüber nachzudenken, weil ich nicht will, dass mein Unterbewusstsein denkt, ich habe alles erreicht, jetzt ist es genug. Das ist auch der Grund, warum ich keine Preise oder Auszeichnungen in mein Haus nehme. Du wirst keine Goldene Schallplatte irgendwo in meinem Haus finden. Denn es gibt dir das Gefühl, dass du ohnehin alles erreicht hast. Schau was ich erreicht habe. Aber ich habe immer das Gefühl: „Nein, noch hab ich nicht alles erreicht.“

Geraldo: Der „King of Pop” - und jetzt schaue ich mir ein paar der neuen Künstler an, da ist ein neuer - 50Cent und noch einer, dessen Namen ich jetzt vergessen habe. Aber sie sind alle sehr bekannt, weil sie Gewaltverbrechen knapp überlebt haben und sie machen eine Art HipHop. Es ist eine neue Ära in der Musikwelt angebrochen. Denkst du, du wirst so sein wie sie - mehr angepasst, neu - oder wirst du zurückkehren zu ‘traditioneller’ Pop-Musik und Rock?

Michael: Großartige Musik und schöne Melodien sind unsterblich. Kulturen verändern sich, Mode ändert sich, Gebräuche — aber großartige Musik ist unsterblich. Wir hören immer noch Mozart, Tschaikowsky, Rachmaninow, alle von diesen, alle diese Großen. Großartige Musik ist wie eine großartige Skulptur, ein großartiges Bild. Es ist für immer. Das ist Fakt.

Geraldo: Andererseits habe ich auch mal Barbara Streisand interviewt an einem Wendepunkt in ihrer Karriere. Sie hat Duette mit den Bee Gees und anderen berühmten Künstlern aufgenommen - sie hat sich irgendwie verändert um die Menschen zu überraschen.

Michael: Ich hab eine Menge davon gemacht - Ich rappe nicht wirklich, aber ich könnte. Ich habe Lieder mit Raps für sehr berühmte Rapper geschrieben, aber die können das wirklich sehr viel besser als ich.

Geraldo: Genießt du es nicht, abgesehen von deinem isolierten Leben und abgesehen von der langen Zeit in der du dieser Megastar bist, dass du mit deiner Gemeinde so verbunden bist? Gibt dir das Kraft? Was sagst du dazu?

Michael: Ja, das stimmt natürlich, denn es ist wichtig deine Nachbarn zu lieben …

Geraldo: Aber woher kommt das? Woher kommt diese nahezu instinktive Liebe in dir?

Michael: Ich denke wirklich, dass das von meiner Mutter und von Gott kommt - aus der Art wie wir aufgezogen worden sind. Den Anstand den mein Vater uns gelehrt hat, als wir jung waren. Meine Mutter hat uns aus der Bibel vorgelesen - wir waren in der Kirche. Manchmal vier Mal die Woche und ich bin so froh, dass wir das getan haben, denn der Anstand ist sehr wichtig. Ich weiß nicht, ob ich das alles ohne erreichte hätte.

Geraldo: Verbringst du noch immer Zeit mit Mum und Dad? Sie sind nicht weit weg von hier, oder? Und wie steht ihr zueinander? Ich bin meiner Mutter sehr nahe.

Michael: Es ist wundervoll. An diesem Punkt, tendierst du mehr dazu, deine Eltern dafür zu achten, wer sie sind und was sie für dich getan haben. Du beginnst darüber nachzudenken, wo du gerade stehst in deinem Leben und über die wundervollen Dinge, die sie dir beigebracht haben. Sie stehen dir wieder näher. Ich beginne, eine Menge Dinge nun anders zu sehen, wie mich mein Vater und meine Mutter beeinflusst haben.

Geraldo: Mein Freund Cheech, dessen Partner Tommy Chong geholfen hat euch zu entdecken, wie du weißt, ‘Bobby Taylor and die Vancouvers’, er sagt, dass, als er älter wurde, er sah das Gesicht seines Vaters im Spiegel. Fühlst du das auch? Wirst du so wie dein Vater?

Michael: Ich bin in vielerlei Hinsicht wie mein Vater. Er ist sehr stark. Ein Krieger. Er hat uns immer angehalten, Courage zu zeigen und zuversichtlich zu sein und an unsere Ideale zu glauben. Und dass kein Ziel zu hoch gesteckt sein kann und das man nie aufgeben soll — egal was kommt. Und unsere Mutter hat uns das auch beigebracht.

Geraldo: Also bist du auch ein Krieger.

Michael: Absolut.

Geraldo: So siehst du dich also selbst? Erzähl uns mehr über die Art und Weise wie du dich selbst siehst.

Michael: Ich versuche freundlich und großzügig zu sein und zu tun, von dem ich denke, dass Gott, will dass ich es tue. Manchmal bete ich und sage: „Was soll ich jetzt tun, Gott? Wohin soll ich jetzt gehen?“ Ich war immer sehr gläubig. Aber das ist ja nichts Neues.

Geraldo: Hast du jemals den Film ‘Finding Neverland’ (‘Wenn Träume fliegen lernen’) gesehen oder über J. M. Barrie gelesen, den Mann der ‘Peter Pan’ geschrieben hat?

Michael: Ich weiß eine Menge über Mr. Barrie - nun, was heißt ‘eine Menge’ - ich bin ein Fan seit vielen, vielen Jahren.

Geraldo: Wie du weißt, hatte er einen steinigen Weg zu gehen, ähnlich wie du. Ich möchte das jetzt aber nicht vertiefen. Erzähl uns, was dich dazu gebracht hat, ‘Neverland’ zu kreieren. Ich rede von dem Ort. Es gibt ja zwei ‘Neverlands’, nein drei. Da ist das ‘Peter Pans’-Neverland, da ist das Neverland in Michael Jacksons Kopf und dann ist da noch der physische Ort Neverland, den du kreiert hast. Ich habe dich besucht, als du die Stadtkinder eingeladen hattest. Warum hast du diesen Ort kreiert?

Michael: Ich habe Neverland gebaut, als zu Hause für mich und meine Kinder. Ich hab es einfach errichtet, nun es war eher unterbewusst. Denn wie ich vorher gesagt habe: Wohin soll ich gehen? Es ist schwierig. Ich habe versucht herauszugehen und da waren Polizisten die mir gesagt haben: „Verkleide dich. Und gib mir ein Autogramm für meine Frau.“ Sie sagen mir: „Warum bist du hier draußen, ohne Security?“ Ich kann das nicht machen. Ich mache es manchmal, aber es ist sehr schwierig.

Geraldo: Aber du hast Neverland besessen, bevor du die Kinder hattest … war es dann für dich? Die exotischen Tiere, waren die alle für Michael Jackson?

Michael: Für mich und für andere. Es gab mir die Möglichkeit zu tun, was ich als Kind nie tun konnte. Wir konnten nicht ins Kino. Wir konnten nicht nach Disneyland. Wir konnten diese ganzen schönen Dinge nie tun. Wir waren auf Tour. Wir haben hart gearbeitet. Und es hat uns gefallen. Aber das hat es mir dann auch möglich gemacht, einen Ort auf der Welt zu haben, wo alles ist, was ich liebe - hinter den Toren.

Geraldo: Du kreierst, ähnlich wie Barrie, diese imaginäre Welt. Wächst du da jemals heraus? Denkst du jemals, dass es dumm ist, diese ganzen Lamas und Miniaturzüge und die Hochschaubahnen?

Michael: Du würdest Gott dumm nennen, wenn du das sagst. Denn Gott macht alle Sachen, die großen und die kleinen. Andere Männer haben ihre Ferraris und ihre Flugzeuge oder Helikopter oder wo immer sie auch ihre Freude finden. Meine Freude ist es zu geben, zu teilen und einfach, unschuldigen Spaß zu haben.

Geraldo: Dein zu Hause ist … auch bei aller Einzigartigkeit von Neverland — dein zu Hause ist eigentlich sehr bescheiden. Und dein persönlicher Stil. Ich sehe keinen Schmuck an dir, zum Beispiel. Wie kommt es, dass du keine großen Diamanten hast mit deinem Namenszug?

Michael: Ich bin in dieser Hinsicht sehr anspruchslos. Wenn ich einen hätte, würde ich ihn wahrscheinlich dem ersten Kind geben, das mir sagt: „Wow, ich mag deine Kette.“ Als ich aufwuchs haben Stars wie Sammy Davis, Fred Astaire, Gene Kelly auch ihre Sachen weitergegeben. Wenn mir etwas gefallen hat, hab ich einfach gesagt: „Wow, ich liebe dieses Hemd, dass du trägst.“ Und sie haben es mir einfach gegeben. Das ist im Showgeschäft so üblich. Das Weitergeben.

Geraldo: Abgesehen von der ganzen Medien-Aufmerksamkeit und auch dem Tag an dem ich da war, wie ist es, all diese Kinder bei dir zu Hause zu haben? Warum tust du das? Ich wollte dich das an jenem Tag schon fragen aber ich mach es jetzt.

Michael: Ich bin über acht Mal rund um die Welt gereist. Ich besuche so viele Kranken- oder Waisenhäuser wie ich Konzerte gebe. Aber, natürlich, darüber wird nicht berichtet. Aber das mache ich auch nicht dafür. Ich mache es, weil ich es gern tue. Und es gibt so viele Kinder in der Stadt, die noch nie Berge gesehen haben, die noch nie Karussell gefahren sind, die noch nie ein Pferd oder ein Lama gestreichelt haben, sie noch nicht mal gesehen haben. Und wenn ich die Möglichkeit habe, meine Tore zu öffnen und diese Freude zu sehen, diese Explosion von Geschrei und Lachen der Kinder und sie hüpfen von einer Bahn auf die andere, dann sage ich: „Danke Gott.“ Dann hab ich das Gefühl, ich habe ein Lächeln von Gott gewonnen, denn ich mache etwas das Freude und Glück in das Leben anderer Menschen bringt.

Geraldo: Nun, stehst du deinen Geschwistern nahe? Berührt es dich, wenn du da mit hinein gezogen wirst — wie bei Janet’s Superbowl Fiasko [das mit der nackten Brust]? Sag mir, wie du da als Bruder und Zuschauer reagiert hast.

Michael: Oh, ich kann nicht für meine Schwester sprechen. Aber, ich hab es live gesehen und ich hab nichts gesehen. Ich war bei einem Freund von mir, Ron Burkle, er hat ein Kino. Die Show war auf dem großen Bildschirm zu sehen, und ich hab wirklich nichts gesehen. Ich hab all diese Diskussionen gehört am nächsten Tag und sagte: „Das ist nicht wahr.“ Ich hab es nicht mal gesehen.

Geraldo: Denkst du, dass die ganzen Diskussionen übertrieben waren? Denkst du, dass es darum so aufgebauscht wurde, weil ein Jackson damit verbunden ist oder ist es eine Widerspiegelung unserer Gesellschaft?

Michael: Das ist eine sehr interessante Hypothese. Es ist beides. Es ist schwierig darauf zu antworten. Ich möchte diese Frage nicht beantworten.

Geraldo: Hast du sie angerufen und gesagt “Das ist doch nur Kleinkram“?

Michael: So etwas ähnliches. „Sei stark. Das wird auch vorbeigehen.“ „Mach dir keine Sorgen. Ich habe schlimmere Dinge gesehen.“ Ich sagte: „Janet, du warst zu jung, um dich daran zu erinnern, aber ich habe einmal die Oscar Verleihung gesehen, mit David Niven und auf einmal kam ein nackter Mann. Aber: er konnte da nicht alleine rauf. Das war geplant und keine … sie haben nichts darüber gesagt. Ich sage nur so viel. Das war live, rund um die Welt. Am nächsten Tag, war es ein Scherz.

Geraldo: Ich denke, es ist wirklich wegen dem Nachnamen.

Michael: Du kannst das sagen.

Geraldo: Ich denke, das ganze war übertrieben. Ich denke, dass da wirklich der Nachname Jackson eine Rolle spielt.

Michael: Danke.

Geraldo: Also du arbeitest ja an deinem Album - wie geht’s jetzt weiter, was dürfen wir erwarten? Werden wir es im Radio hören und dann schicken die Leute das und wird dieses Geld an die Kinder in Region des Indischen Ozeans gehen?

Michael: Das wäre der Sinn der Sache.

Geraldo: Jetzt erzähl mir, wie diese Freigiebigkeit, dieses Mitgefühl dich bewegt? Manchmal, denke ich, ist es ein besseres Gefühl für mich zu geben als zu nehmen. Erzähl mir, wie das bei dir ist!

Michael: Genau so empfinde ich das auch. Ich weiß nicht, wie das genau ist. Ich liebe es einfach hart an etwas zu arbeiten. Etwas zusammenzubringen. Über etwas zu schwitzen und es dann mit anderen Leuten zu teilen und sie dazu zu bringen es zu lieben. Und ich bete immer, dass sie es lieben. Das gibt mir als Künstler große Befriedigung.

Geraldo: Frustriert es dich als Künstler oder als Mensch, wenn die Leute sagen: „Dieses Jackson Projekt ist gefloppt, oder jenes ist passiert.“ Deine ‘Number Ones’- Kollektion, zum Beispiel, hat sich 7.5 Mio. Mal verkauft. Ich denke, das ist vierfach Platin oder was auch immer. Und trotzdem gibt es einige im Musikgeschäft, die sagen, dass es nicht - du weißt schon, das es kein Hit war.

Michael: Ich weiß nicht über welches Projekt du sprichst … wegen der negativen Presse. Klatsch scheint sich einfach besser zu verkaufen als schöne, positive Nachrichten. Die Leute hören lieber Tratsch. Meine letzten acht Alben haben alle Nr.1 Charteinstiege gehabt — die Leute mögen einfach, dass alles zu verdrehen und Geschichten und Gerüchte zu erfinden.

Geraldo: Verletzt es dich? Möchtest du aufschreien und sagen: „Hey, wartet mal, checkt mal die Zahlen.“

Michael: Das ist eine Haltung der Menschen, die ich nicht mag. Aber andererseits, gibt es da auch noch eine wundervolle andere Seite, oder?

Geraldo: Aber nicht bei Eminem. Wir haben darüber gesprochen. Ich denke, dass du jetzt darüber sprechen solltest. Warum nicht?

Michael: Und wie lautet deine Frage?

Geraldo: Stevie Wonder hat gesagt, wie abstoßend das war, für jemanden, der sein Geld mit der Community [die schwarze Gemeinde] verdient und jetzt so mit der Community umgeht. Er benimmt sich wie ein Rassist und, ich sagte es schon, und das in einer sehr primitiven Art und Weise tut. Erzähl uns, wie dich das verletzt hat und wie du jetzt darüber denkst.

Michael: Ich habe Herrn Eminem nie getroffen und ich hab ihn immer als Künstler bewundert. Ihn so etwas tun zu sehen, war ziemlich schmerzhaft so von Künstler zu Künstler. Es ist traurig, denn ich denke was Stevie Wonder sagte, ist wahr. Ich möchte, dazu nicht sehr viel mehr sagen. Er sollte sich schämen, für das was er da gemacht hat. Stevie hat gesagt, es ist „Bullshit“. Er hat das Wort benutzt. Das war es, was er sagte. Ich sage es nicht, Stevie sagte es. Stevie ist erstaunlich. Er ist einer der nettesten Männer in der Welt.

Geraldo: Das sagte Stevie und es ist „Bullshit“. Nun, als Stevie das gesagt hat, hattest du ein Gefühl von brüderlicher Liebe?

Michael: Ich liebe Stevie Wonder. Für mich ist er ein Prophet der Musik. Ich werde ihn immer lieben. Eine Menge Leute bewundern Stevie und er ist sehr angesehen in diesem Geschäft und wenn er spricht, hören die Leute zu. Es war falsch von Eminem, das zu tun, was er tat. Ich bin ein Künstler für einen Großteil meines Lebens und ich habe nie einen anderen Künstler angegriffen. Große Künstler machen das nicht. Das muss man nicht.

Geraldo: Ich habe Janets Fiasko ja schon erwähnt und die übertriebene Aufregung, die damit verbunden war. Noch einmal: Denkst du, er hat es nur getan, weil er wusste, dass er damit durchkommt, weil du Michael Jackson bist?

Michael: Ja, aber das verletzt mich nicht. Es ist dumm. Es ist irgendwie primitiv. Ich hoffe, er hat Spaß.

Geraldo: Denkst du, darüber als eine Art schlechter Scherz? Aber es verletzt dich noch immer und du möchtest nicht, dass deine Kinder das sehen?

Michael: Oh Gott, ich würde es hassen, wenn sie es sehen sollten. Ich würde es hassen.

Geraldo: Schlussendlich, haben wir es geschafft den Fall zu umgehen und gar nicht darüber zu sprechen. Du bist ja unter dieser ‘Gag-Order’ (Maulkorb-Erlass). Ich weiß, dass du eine Erlaubnis vom Richter erhalten hast, eine Stellungnahme vorzulesen. Ich hasse es, ein Interview so zu beenden, aber wenn du möchtest, kannst du das Statement jetzt vorlesen, ich denke, das ist wichtig.

 

Michael: In den beiden letzten Wochen wurde eine große Menge hässlicher, bösartiger Informationen über mich an die Medien gegeben. Anscheinend stammen diese Informationen aus Mitschriften einer ‘Grand Jury’ Prozedur, in der weder meine Anwälte noch ich selbst jemals erschienen sind. Diese Informationen sind empörend und falsch.

Vor Jahren habe ich einer Familie erlaubt Neverland zu besuchen und Zeit dort zu verbringen. Neverland ist mein Zuhause. Ich habe dieser Famile erlaubt zu mir nach Hause zu kommen, weil sie mir erzählt haben ihr Sohn sei krebskrank und brauche meine Hilfe.

Im Laufe der Jahre habe ich Tausenden von Kindern in Not und Kranken geholfen.

Diese Ereignisse haben einen Alptraum für meine Familie, meine Kinder und mich ausgelöst. Ich habe mir vorgenommen mich niemals wieder in eine derart verwundbare Position zu begeben.

Ich liebe meine Gemeinde und ich habe einen großen Glauben in unser Rechtssystem. Behalten Sie bitte Ihren Geist frei und warten Sie meinen Tag vor Gericht ab. Ich verdiene einen gerechten Prozess wie jeder andere amerikanische Bürger. Ich werde freigesprochen und rehabilitiert werden wenn die Wahrheit ans Licht kommt.

Geraldo: Möchtest du noch etwas sagen, Michael?

Michael: Nein … ja. Ich möchte die Menschen nur bitten, meine Familie und mich in ihren Gebeten zu behalten. Das wäre sehr nett. Danke, Geraldo.