Ebony 2007

Michael Jackson - mit seinen eigenen Worten
Wenn man auf dem Sofa neben Michael Jackson sitzt, erkennt man sehr schnell, dass viel mehr an dieser afro-amerikanischen Legende dran ist, als die fast durchsichtig dünne Haut und die Ausstrahlung einer Ikone. Mehr als ein Entertainer, mehr als ein Sänger oder Tänzer, entpuppt sich dieser Vater von drei Kindern als ein selbstsicherer, beherrschter und reifer Mann, der noch jede Menge Kreativität in sich hat. Michael Jackson hat die Welt im Dezember 1982 gerockt, als er mit Thriller Das historische Projekt jedoch war nur ein Schritt in einer Karriere, die 18 Jahre zuvor mit für einen 6-jährigen Michael mit den Jackson 5 begonnen hatte. In seinem ersten US-Magazin Interview seit 10 Jahren, am 25. Jahrestag des Albums Thriller, setzte sich Michael Jackson mit Brian Monroe vom Ebony Magazine für ein außergewöhnliches, intimes und exklusives Gespräch zusammen. Ein Gespräch über die Entstehung von Thriller, seinem Auftritt bei Motown 25, dem Vater-sein, dem Zustand der heutigen Musikindustrie und über die treibende Kraft hinter seiner Kreativität. Hier ist Michael Jackson, in die Pop Musik Szene explodierte. Das musikalisch reiche, rhythmische und ansteckende Album, das vielen Weißen ein Talent vorstellte, das Schwarze seit Jahrzehnten kannten, und das praktisch jeden Rekord auf diesem Planeten zerschmetterte. in seinen eigenen Worten...


Ebony: Wie hat alles angefangen?

Michael: Motown bereitete sich vor, einen Film Namens "The Wiz" zu machen, und Quincy Jones war das absolute Muss für die Filmmusik. Ich hatte damals bereits von Quincy gehört. Als wir in Indiana wohnten, kaufte mein Vater viele Jazz Platten, also kannte ich ihn [Quincy] als Jazz Musiker.
Nachdem wir die Arbeit am Film beendet hatten - wir sind uns sehr nahe gekommen während der Dreharbeiten, er hat mir einige Worte erklärt und war sehr väterlich zu mir - rief ich ihn an. Einfach in voller Ehrlichkeit - ich bin ein schüchterner Mensch, vor allem damals, ich konnte Leuten beim Reden nicht mal in die Augen sehen, ohne Witz - rief ich ihn an und sagte: "Ich bin bereit, ein Album zu machen. Denkst du, du könntest mir jemanden empfehlen, der es mit mir produzieren oder mit mir arbeiten wollen würde?" Er zögerte kurz und sagte: "Warum lässt du nicht MICH das machen?"
Ich dachte mir "warum ist mir das nicht selbst eingefallen?" Wahrscheinlich weil er für mich eher ein Vater war und eher der Jazz Musiker. Nachdem er das sagte, sagte ich nur: "Wow, das wäre großartig!"
Das tolle daran, mit Quincy zu arbeiten ist, er lässt dich dein Ding machen. Er kommt dir nicht in die Quere.

Das erste, mit dem ich also zu Quincy kam, war für das Off The Wall Album. Und Rod Temperton kam dann ins Studio mit diesem Killer-Typen. Das war so ein kleiner deutscher Typ, der aus Wurms [er meint Worms, eine Stadt in der Pfalz] in Deutschland kam. Und der kam an mit diesem... "Doop, dakka, dakka, doop, dakka, dakka, dakka, doop" - die Melodie und der Refrain, Rock With You...
Ich sagte nur "Wow!" Als ich mir das angehört hatte, sagte ich: "Okay, jetzt muss ich wirklich arbeiten."

Es war dann also so, dass immer wenn Rod etwas präsentierte, ich ebenfalls etwas präsentierte. Es war eine Art freundschaftliche Konkurrenz. Ich liebe es, so zu arbeiten. Ich habe mal gelesen, wie Walt Disney, als sie zum Beispiel an Bambi arbeiteten, ein echtes Reh ins Studio stellen ließ, und die Zeichner um die Wette zeichnen lies, mit all ihren verschiedenen Stilen und Arbeitsweisen. Wer am Ende den Zeichenstil hatte, der Walt gefiel, wurde genommen. Es war wie ein Wettbewerb, zwar auf freundschaftlicher Basis, aber ein Wettbewerb und es brachte höhere Leistungen hervor. Also brachte ich jedes mal etwas, wenn Rod etwas brachte. Dann brachte er wieder etwas und ich tat es auch. Wir haben etwas wundervolles kreiert.

Ebony: Nach "Off The Wall", im Frühling 1982, sind Sie wieder ins Studio gegangen, um an Thriller zu arbeiten.

Michael: Nach Off The Wall - wir hatten all diese Nummer 1 Hits von dem Album: "Don't Stop 'Till You Get Enough", "Rock with you", "She's Out Of My Life", "Working day and night" - und wir wurden für einen Grammy nominiert - war ich trotzdem nicht zufrieden damit, wie das ganze abgelaufen ist.
Ich wollte viel mehr zeigen. Ich wollte da viel mehr von meinem Herz und meiner Seele reinpacken.

Ebony: War es eine Zeit des Wandels für Sie?

Michael: Voll und ganz! Ich habe seit frühester Kindheit das Komponieren von Musikstücken studiert. Und Tchaikovsky war der, der mich am meisten beeinflusste. Wenn du ein Album wie "Die Nussknacker Suite" nimmst, ist jeder einzelne Song darauf ein Killer, jeder Song. Und ich dachte mir, warum kann es nicht ein Pop Album geben, auf dem jeder... Man hat mal Alben gemacht, wo man einen wirklichen Knaller hatte und der Rest waren B-Seiten - man nannte sie auch "Album Songs". Und ich dachte mir: "Warum kann nicht jeder Song darauf ein Hit sein? Warum kann nicht jeder Song so großartig sein, dass die Leute ihn kaufen würden, wenn man ihn als Single veröffentlichen könnte?"
Ich habe auch immer versucht, genau das zu erreichen. Das war auch das, was ich mit dem nächsten Album erreichen wollte. Das war die Idee dahinter. Ich wollte, dass wir jeden Song davon [als Single] veröffentlichen könnten, den wir wollten. Dafür habe ich hart gearbeitet.

Ebony: Was den kreativen Prozess angeht, war es sehr bedacht auf dieses Ziel, oder ist es einfach so passiert?

Michael: Nein, es war sehr bedacht! Auch wenn es alles irgendwie zusammenkam, ganz bewusst, es wurde in dieser Art Universum kreiert, in dem Magie passieren muss, wenn eine bestimmte Chemie, eine Stimmung im Raum vorherrscht. Das muss einfach so sein. Es ist irgendwie, als ob man bestimmte Elemente in eine Hemisphäre packt und sie diese Magie in einer anderen auslösen. Es ist eine Wissenschaft. Und das mit einigen großartigen Leuten zu tun, ist einfach wundervoll.

Quincy hat einen Spitznamen für mich, und Steven Spielberg auch, und zwar "Smelly". Das kommt daher, dass ich - heute benutze ich schon mal einige Schimpfwörter, aber damals habe ich nie ein Schimpfwort in den Mund genommen - immer sagte "das Lied ist smelly", wenn mir ein Lied wirklich sehr gefiel und ich mich darin vertiefen konnte. Also nannten sie mich "Smelly."
Aber ja, die Arbeit mit Quincy war schon eine wundervolle Sache. Er lässt dich herumexperimentieren, lässt dich dein Ding machen und er ist genial genug, um der Musik ihren Raum zu lassen, und sich nicht in den Weg zu stellen. Und wenn es ein Element gibt, das hinzugefügt werden muss, dann tut er das. Und er hört alle möglichen kleinen Dinge. Wie zum Beispiel bei "Billie Jean". Ich habe mir die Bass-Spur, die Melodie und die ganze Komposition überlegt. Aber beim Zuhören fügte er noch einen netten Riff hinzu...

Wir arbeiteten an einem Lied und trafen uns dann bei ihm zu Hause und er spielte das Lied ab und sagte: "Smelly, lass es zu dir sprechen." Ich sagte: "Okay." Er sagte: "Wenn das Lied etwas braucht, wird es dir das sagen. Lass es zu dir sprechen." Ich habe gelernt, das zu tun. Der Schlüssel dazu, ein guter Songschreiber zu sein ist, nicht zu schreiben.
Du stellst dich einfach aus dem Weg. Du lässt Platz, um Gott in den Raum zu lassen. Und wenn ich etwas schreibe, von dem ich weiß, dass es richtig ist, knie ich nieder und sage Danke. Danke Jehova!

Ebony: Wann hatten Sie dieses Gefühl zuletzt?

Michael: Vor kurzem. Ich schreibe die ganze Zeit. Wenn man weiß, dass etwas richtig ist, etwas gut ist, dann fühlt man, wie es zu etwas wird. Fast so wie eine Schwangerschaft oder sowas. Man wird emotional und fühlt, wie etwas ensteht, heranreift. Und wie durch Magie ist es dann plötzlich da! Es ist eine Explosion von etwas, dass so wundervoll ist, dass du nur sagen kannst "WOW! Das ist es." So funktioniert es, es läuft durch dich durch. Es ist etwas wunderschönes. Es ist ein eigenes Universum, das du mit diesen 12 Noten betrittst...

(Er hört sich eine frühe Version von "Billie Jean" aus der Entstehungszeit des Songs auf einem iPhone an...)

... Was ich tue wenn ich schreibe ist, ich mache eine raue, ungefähre Version des Songs, einfach nur um den Refrain zu hören. Um zu hören, ob mir der Refrain gefällt. Wenn es mir in diesem rauen Zustand gefällt, wenn es für mich funktioniert, dann wird es funktionieren... Hören Sie sich das mal an, das ist zu Hause. Janet, Randy und ich... Janet und ich singen "Whoo, Whoo... Whoo, Whoo..." Ich führe den selben Prozess mit jedem Song durch. Es ist die Melodie, die Melodie ist am wichtigsten. Wenn ich die Melodie abkaufe, wenn sie mir in dieser rohen Fassung gefällt, gehe ich zum nächsten Schritt über. Wenn es in meinem Kopf gut klingt, ist es in der Regel auch gut, wenn ich es aufnehme. Die Aufgabe ist, das was im Kopf ist, auf ein Band zu kriegen.
Wenn man einen Song wie "Billie Jean" nimmt, bei dem der Bass die führende, prominenteste, wichtigste Rolle spielt. Er ist der Protagonist. Es ist der treibende Riff, den man hört. Diesen Riff genauso hinzubekommen, wie man ihn sich vorstellt, braucht eine Menge Zeit. Hören sie mal, sie hören hier vier verschiedene Bässe mit vier verschiedenen Persönlichkeiten. Und das gibt dem Bass den Charakter, aber es braucht eine Menge Arbeit.

 

bony: Ein weiterer großer Moment war der Auftritt bei "Motown 25".

Michael: Ich war gerade dabei, im Sudio "Beat it" zu bearbeiten. Und aus irgendeinem Grund tat ich das in den Motown Studios, obwohl ich damals die Firma schon seit Jahren verlassen hatte. Sie [Motown] bereiteten sich darauf vor, irgendwas für den Jahrestag auf die Beine zu stellen und Berry Gordy kam zu mir und fragte mich, ob ich bei der Show dabei sein wollte. Ich sagte: "NEIN." Ich sagte nein. Ich sagte nein wegen Thriller. Ich war gerade dabei, etwas Neues zu erschaffen.
Und er sagte zu mir: "Aber es ist doch der Jahrestag..." Und ich sagte folgendes zu ihm: "Ich werde es tun. Aber nur unter der Bedingung, dass du mich einen Song machen lässt, der nicht von Motown ist."

Er fragte: "Welcher Song ist das?" Ich sagte: "Billie Jean." Worauf er sagte: "Okay, in Ordnung." Ich sagte: "Du wirst mich wirklich ´Billie Jean´ machen lassen?" Und er sagte: "Ja."
Also machte ich die Choreographie und probte mit meinen Brüdern. Ich suchte Outfits, die Songs und ein Medley aus. Und nicht nur das. Man muss ja auch all die verschiedenen Kamera-Einstellungen ausarbeiten. Ich bin Regisseur bei allem, was ich mache. Jede Aufnahme die man sieht, ist meine Aufnahme. Lassen Sie mich Ihnen sagen, warum ich das so machen muss. Ich habe fünf, nein sechs, Kameras. Wenn man performt - ganz egal was für eine Performance es ist - wenn du es nicht ordentlich festhältst, werden es die Leute niemals sehen. Es ist das selbstsüchtigste Medium der Welt. Du filmst WAS die Leute sehen sollen, WANN sie es sollen, WIE sie es sehen sollen, in genau der REIHENFOLGE, in der sie es sehen sollen.
Man kreiert die Gesamtheit des Feelings von dem, was präsentiert wird, mit allen [Kamera-] Einstellungen und Aufnahmen. Denn ich weiß genau, was ich sehen will. Ich weiß, was das Publikum erreichen soll. Ich weiß, was zurückkommen soll. Ich weiß, wie das Gefühl war, als ich es performte und dieses Gefühl versuche ich, wieder einzufangen, wenn ich schneide und editiere und Regie führe.

Ebony: Wie lange kreieren Sie schon all diese Elemente?

Michael: Seit ich ein kleiner Junge war, zusammen mit meinen Brüdern. Mein Vater sagte immer: "Zeig's ihnen Michael, zeig's ihnen."

Ebony: Waren sie [die Brüder] jemals neidisch deswegen?

Michael: Sie haben es damals nie gezeigt, aber es muss sehr schwierig gewesen sein, denn während der Proben wurde mir nie der Hintern versohlt. [Er lacht] Aber dafür dann danach, wenn ich Ärger machte. [Er lacht] Es ist wirklich wahr. Das waren die Gelegenheiten, an denen er das auch bei mir gemacht hat.
Mein Vater hatte immer einen Gürtel in der Hand, wenn wir probten. Es war einfach undenkbar, zu versagen. Was das anging, was er uns beibrachte, war mein Vater ein Genie. Wie man performt, wie man mit dem Publikum arbeitet, wissen, was man als nächstes tut, dem Publikum zeigen, dass man leidet, oder wenn etwas nicht stimmt. In der Hinsicht war er unglaublich.

Ebony: Würden Sie sagen, dass Sie von ihm nicht nur Ihren Sinn für das Geschäft, sondern auch das ganze Gesamtpaket bekommen haben?

Michael: Absolut. Mein Vater - all die Erfahrung. Ich lernte sehr viel von ihm. Als er jung war, hatte er eine Band mit dem Namen "The Falcons". Sie kamen oft zu uns und spielten die ganze Zeit. Wir hatten also immer Musik und Tanz im Haus. Es ist etwas kulturell typisches für Schwarze. Man räumt die ganzen Möbel aus dem Weg und dreht die Musik auf... Wenn man Besuch bekommt, sind alle in der Mitte des Raumes und man macht was. Das habe ich so geliebt.

Ebony: Machen Ihre Kinder das heutzutage auch?

Michael: Ja, aber sie sind eher schüchtern. Für mich machen sie das aber manchmal.

Ebony: Wenn wir beim Thema von Showman-sein bleiben. MTV hat keine schwarzen Künstler gezeigt, wie schwierig war das für Sie?

Michael: Sie sagten, dass sie keine [Schwarzen Leute] zeigen. Es brach mir das Herz, aber gleichermaßen entfachte es auch ein Feuer in mir.
Ich sagte zu mir selbst: "Ich muss einfach etwas auf die Beine stellen, damit sie... Ich werde es nicht zulassen, dass sie mich ignorieren." So war es also, bei "Billie Jean" haben sie gesagt: "Das spielen wir nicht."
Als sie es dann doch taten, stellte es einen Rekord auf. Dann baten sie mich um ALLES, was wir an Material hatten. Sie traten uns praktisch die Tür ein. Dann kam Prince. Es öffnete die Tür für Prince und all die anderen schwarzen Künstler. Es war vorher 24 Stunden Heavy Metal, einfach nur ein Potpourri von verrückten Bildern...
Sie kamen jetzt schon so oft an und sagten mir: "Michael, wenn du nicht gewesen wärst, gäbe es kein MTV." Sie haben mir das gesagt, immer und immer wieder, mir persönlich. Ich denke, sie haben es nicht wirklich gemerkt damals [wie das klang]... Ich bin sicher, sie wollten nicht NUR böse sein... [Er lacht]

Ebony: Das ganze war die Geburtsstunde des Zeitalters des modernen Videoclips...

Michael: Ich habe damals MTV geschaut. Mein Bruder [Jackie], ich werde das nie vergessen, sagte "Michael, dieses Programm musst du dir ansehen. Oh mein Gott, das ist die beste Idee überhaupt. Sie zeigen Musik 24 Stunden am Tag... 24 Stunden am Tag!" Also sagte ich: "Lass mich mal sehen." Ich schaue mir das alles also an und sage: "Wenn sie dem Ganzen doch bloß mehr Unterhaltungswert beifügen könnten. Mehr Story, etwas mehr Tanz... Ich bin sicher, die Leute würden es noch mehr lieben." Also sagte ich, wenn ich etwas tu, muss es eine Geschichte haben. Einen Anfang, ein Mittelstück und ein Ende. Etwas, dem man linear folgen kann. Es muss einen laufenden Faden haben. So, dass wenn man sich den Unterhaltungswert ansieht, man sich fragt, was als nächstes passiert. Dann begann ich herum zu experimentieren mit "Thriller", "The way you make me feel" und "Bad" und "Smooth Criminal" und Regie führen und Schreiben.

Ebony: Was denken Sie über den Zustand der Musikindustrie in der heutigen Zeit?

Michael: [Die Industrie] ist an einem Scheideweg angelangt. Es findet eine Verwandlung statt. Man ist unsicher darüber, was passieren wird und wie man Musik veröffentlichen soll. Ich glaube, das Internet hat die Leute richtig aus der Bahn geworfen. Denn es ist so mächtig, und die Kids lieben es so. Die ganze Welt ist immer direkt zur Hand, auf ihrem Schoß. Alles was sie wissen wollen, jeder mit dem sie kommunizieren möchten, jede Art von Musik, oder Filme... Das hat die Leute richtig überrannt. Diese jetzigen Starbucks Deals und die Walmart Deals, ich weiß nicht, ob das die richtige Antwort ist. Ich glaube, die Antwort ist phänomenale, großartige Musik. Die Massen erreichen. Ich glaube, die Leute suchen immer noch. Es gibt im Moment auch keine wirkliche musikalische Revolution. Aber wenn sie kommt, werden die Leute Wände einreißen, um zu ihr zu gelangen.
Vor "Thriller" war es ja auch so. Die Leute haben einfach keine Musik gekauft. Es hat allen geholfen, wieder in die Läden zu kommen. Wenn also etwas passiert, dann PASSIERT's.

Ebony: Wer beeindruckt Sie?

Michael: Was das Künstlerische angeht, finde ich dass Ne-Yo wundervolle Arbeit leistet. Er hat aber einen sehr Michael Jackson-mäßigen Stil. Andererseits gefällt mir gerade das bei ihm. Ich sehe, dass er jemand ist, der das [Song] Schreiben versteht.

Ebony: Arbeiten Sie mit diesen jungen Künstlern?

Michael: Sicher. Ich hatte schon immer die Einstellung, dass es egal ist, ob es von einem Briefträger oder jemandem, der den Boden kehrt kommt. Ein großartiger Song ist ein großartiger Song. Die tollsten Ideen kommen von ganz normalen Leuten, die einfach nur sagen "Warum probierst du nicht das hier mal aus? Oder jenes hier." Es ist eine tolle Idee, also probiert man sie aus.
Chris Brown ist wundervoll. Akon, er ist ein toller Künstler. Ich wollte immer Musik machen, die eine Generation beeinflusst und inspiriert. Man will dass das, was man kreiert auch lebt. Egal ob es eine Skulptur, ein Gemälde oder Musik ist. Wie Michelangelo sagte: "Ich weiß, der Schöpfer wird irgendwann gehen, aber seine Arbeit lebt weiter. Deshalb stecke ich meine ganze Seele in meine Kunst, um dem Tod zu entrinnen."
Und genauso geht es mir auch. Ich stecke alles von mir in meine Arbeit, denn ich will dass sie lebt.

Ebony: Was für ein Gefühl ist es, zu wissen, dass man die Geschichte verändert hat? Denken Sie oft darüber nach?

Michael: Ja das tue ich, das tue ich wirklich. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir Türen geöffnet haben, dass es geholfen hat, vieles nieder zu reißen. Wenn man um die Welt reist und durch die Stadien tourt, sieht man den Einfluss der Musik. Wenn man von der Bühne auf die Menschenmenge sieht, die so groß ist wie das Auge reicht. Es ist ein großartiges Gefühl, aber es kostete auch viel, viel Schmerz.

Ebony: In wiefern?

Michael: Wenn du ganz oben bist, wenn du ein Pionier bist, wollen die Leute dir was. Es ist einfach so. Wer oben ist, dem will man was. Aber ich bin sehr dankbar. All die Rekorde, die best-verkauften Alben, die Nummer 1 Hits - ich bin immer noch dankbar. Ich bin ein Typ, der im Wohnzimmer saß und zuhörte, während mein Vater Ray Charles Platten abspielte. Meine Mutter weckte mich, manchmal um 3 Uhr nachts: "Michael, er ist im Fernsehen, er ist im Fernsehen!" Ich stand auf und rannte zum Fernseher, und da war James Brown. Und ich sagte: "Das will ich auch tun."

 

Ebony: Können wir uns auf mehr von Michael Jackson freuen?

Michael: Ich schreibe sehr viel im Moment. Ich bin praktisch jeden Tag im Studio. Ich glaube, als Rap anfing - als es losging, dachte ich immer, dass es eine melodischere Wendung nehmen würde. Um es universeller zu machen, denn nicht jeder spricht Englisch. [Er lacht] Und man ist auf sein Land beschränkt. Aber wenn man eine Melodie hat und die Leute können sie mitsummen, dann geht's nach Frankreich, zum Mittleren Osten, überall hin! Überall auf der Welt, denn jetzt fügt man diesen linearen Faden in die Lieder ein. Man muss mitsummen können. Vom irischen Farmer, bis zur Lady, die in Harlem Toiletten schrubbt, bis zu jedem, der mitpfeifen kann, bis zum Kind dass mitschnippt. Man muss es mitsummen können.

Ebony: Sie sind jetzt fast 50. Glauben Sie, Sie werden das hier noch mit 80 machen?

Michael: Ganz ehrlich? Hm, nein. Nicht wie es James Brown tat, oder Jackie Wilson. Sie haben sich einfach totgearbeitet. Ich hätte mir gewünscht, dass [James Brown] am Ende etwas langsamer gemacht und etwas relaxt hätte. So hätte er die Ergebnisse seiner harten Arbeit genießen können.

Ebony: Werden Sie wieder auf Tour gehen?

Michael: Ich mag keine langen Tourneen. Was ich aber am Touren liebe ist, dass es deine Fähigkeiten verfeinert. Das liebe ich am Broadway. Deshalb wenden sich auch Schauspieler dem Broadway zu - weil es das Handwerk verfeinert. Das tut es wirklich. Denn man braucht Jahre, um ein großartiger Entertainer zu werden. Jahre. Man kann nicht einfach jemanden aus der Menge nehmen und ihn in diese Welt werfen und erwarten, dass er mithalten kann. Das würde nie funktionieren. Und das Publikum weiß das, es sieht das. Wie man eine Handbewegung macht, wie man seinen Körper bewegt, wie man mit dem Mikro umgeht, und wie man sich verbeugt. Sie sehen es sofort.

Stevie Wonder zum Beispiel ist ein musikalischer Prophet. Er ist ein weiterer Mensch, den ich benennen muss. Ich habe mir immer gesagt, ich muss mehr schreiben. Ich sah mir [die Produzenten] Gamble und Huff und Hal Davis und die Corporation an, wie sie Hits für die Jackson 5 schrieben. Und ich wollte wirklich die Anatomie davon studieren. Was immer geschah war, dass sie uns holten, um ein Lied zu singen, nachdem sie es fertiggestellt hatten. Und ich war immer traurig, denn ich wollte sehen, wie sie das Lied erstellten. Sie gaben mir also "ABC" nachdem es fertig war, oder "I Want You Back" oder "The Love You Save." Ich wollte es alles erleben.
Und Stevie Wonder ließ mich sprichwörtlich wie die Fliege an der Wand dabeisitzen. So kam es dazu, dass ich dem Album "Songs In The Key Of Life" beim Entstehen zusah - einigen der großartigsten Lieder. Oder ich saß bei Marvin Gaye und... Und das war so die Art Leute, die einfach zu uns kamen und mit uns rumgehangen sind, und mit meinen Brüdern und mir an Wochenenden Basketball spielten. Wir hatten diese Leute immer da. So sah man also die Anatomie und Wissenschaft davon, wie das alles funktioniert, einfach großartig.

Ebony: Sie spielen ja auf einer Weltbühne. Wie sehen Sie die heutige Welt?

Michael: Ich bin sehr besorgt wegen der globalen Erderwärmung. Ich wußte, dass es anstand, aber ich wünschte, man hätte die Aufmerksamkeit der Leute früher bekommen. Es ist aber nie zu spät. Man sagt es ist wie ein außer Kontrolle geratener Zug. Wenn man ihn nicht gleich anhält, kriegt man ihn nie unter Kontrolle. Also müssen wir's in Ordnung bringen und zwar jetzt. Das ist es, was ich mit Liedern wie "Earthsong", "Heal The World" und "We are the World" bewirken wollte, dass sich das Bewusstsein der Leute dafür öffnet. Ich wünschte, die Leute würden jedem der Worte genau zuhören.

Ebony: Was sind Ihre Gedanken zum Thema Präsidentschaftswahl? Hillary, Barrack?

Michael: Um die Wahrheit zu sagen, verfolge ich das nicht. Wir wurden so erzogen. Wenn wir nach den Lösungen der Probleme Welt suchen, suchen wir nicht unter Menschen. Denn sie können es nicht lösen, so sehe ich das. Wir können die Meere nicht kontrollieren, denn so ein Tsunami ist nicht kontrollierbar, es passiert einfach. Wir haben keine Kontrolle über den Himmel, denn wir können die Stürme nicht kontrollieren, sie passieren einfach. Wir sind alle in Gottes Hand und ich denke, dass die Menschheit das bedenken sollte. Ich wünsche mir, dass man mehr für Babys und Kinder tun würde. Das wäre doch großartig, oder?

Ebony: Apropos Babys. Als Vater, schauen Sie doch mal in die Vergangenheit, so 25 Jahre, und sagen Sie uns, was der Unterschied ist, zwischen dem Michael damals und dem Michael heute.

Michael: Der Michael damals ist wohl der selbe Michael wie hier und heute. Ich wollte halt schon immer einige Dinge erreichen. Aber ich hatte auch immer im Hinterkopf, dass ich Kinder haben wollte. Und ich genieße es sehr.

Ebony: Was denken Sie darüber, was man so über Sie schreibt. Was halten Sie davon?

Michael: Ich beachte das nicht. Meiner Meinung nach ist es Ignoranz. Es ist gewöhnlich nicht in Fakten verankert. Es basiert eher, wissen sie, auf Mythos. Der Typ, den man nie wahrhaftig sehen kann. Jede Nachbarschaft hat einen Typen, den man nicht viel sieht. Und über den wird dann hergezogen und getratscht. Es gibt dann Geschichten über ihn, dass er dies oder jenes getan hat. Die Leute sind verrückt!

Ich will einfach nur großartige Musik machen, das ist es, was mich ausmacht.

Aber um nochmal auf Motown 25 zurück zu kommen. Etwas, das mich am meisten berührt hat an der ganzen Sache, das fand nach dem Auftritt statt - ich werde das nie vergessen. Marvin Gaye war backstage und The Temptations und Smokey Robinson und meine Brüder. Sie alle umarmten und küssten mich. Und Richard Pryor kam zu mir und sagte [in einer leisen Stimme]: "Das war der großartigste Auftritt, den ich jemals gesehen habe."
Das war meine Belohnung. Das waren alles Leute, deren Sachen ich mir als Kind in Indiana immer anhörte. Marvin Gaye, The Temptations... Und dass sie mir solche Anerkennung schenken, ich war einfach nur sehr geehrt.
Am nächsten Tag rief Fred Astaire an und sagte: "Ich hab dich gestern gesehen. Ich habe es aufgenommen und habe es mir heute Morgen wieder angesehen. Du bist ein höllisch guter Tänzer! Du hast die Leute gestern Abend vom Hocker gerissen!" Und als ich dann später Fred Astaire sah, macht er die Bewegung mit den Fingern [Michael macht den Moonwalk mit zwei Fingern auf seiner ausgestreckten Hand].

Ich weiß noch ganz genau, wie ich die Performance gemacht habe. Und ich war so enttäuscht hinterher, denn es war nicht so wie ich es wollte. Ich wollte dass es mehr gewesen wäre. Aber nachdem ich dann fertig war, traf ich backstage einen kleinen jüdischen Jungen in einem kleinen Smoking, und er fragte mich [in gebannter Stimme] "Wer hat dir beigebracht, dich so zu bewegen!" [Er lacht] und ich sagte: "Ich denke, Gott... und Übung."

Übersetzung: Been Told für JacksonVillage.org - Wenn ihr das woanders postet, bitte freundlicherweise einen Link zu JacksonVillage.org mit reinstellen!


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