ich - der Jungpionier

BERLIN 1989

Sie hassten die Mauer, aber sie konnten nicht´s tun. Sie war zu stark um gegen sie anzukommen. Sie hatten Angst vor der Mauer, aber war das nicht verständlich? Viele die versuchten sie zu überwinden, fanden den Tod.

Sie misstrauten der Mauer, aber das hätte wohl jeder getan. Ihre Feinde weigerten sich auch nur einen Stein aus ihr zu schlagen. Ganz gleich wie lange Friedensgespräache auch dauerten.

Die Mauer lachte grimmig " ich werde euch schon los Mores" sagt sie.

"Wenn ihr für die Ewigkeit bauen wollt, dann nehmt keine Steine. Nehmt Hass, Furcht und Misstrauen!"

Sie wußten das die Mauer recht hatte und wollten schon aufgeben.

Nur eines hielt sie davon ab, sie wußten wer auf der anderen Seite stand. Großmutter, Vetter, Schwester und Frau. Liebe Gesichter die sie wiedersehen wollten!

"Was ist los?" sagte die Mauer und erschauderte. Ohne zu wissen, was sie taten sahen sie durch die Mauer und versuchten auf der anderen Seite ihre Lieben zu finden. Wortlos tat die Liebe von einem zum andern ihre arbeit.

"Schluß damit!" rief die Mauer "das zerbricht mich" aber es war schon zu spät. Eine Millionen Herzen hatten sich gefunden. Die Mauer war gefallen, noch ehe sie eingestürzt war. MJ

auch wenn der Tag heute nun schon fast rum ist, und ich herzlich wenig davon mitbekommen habe, will ich das doch noch schnell hier hinein schreiben. Eigentlich denkt man das es kein "michaeliges thema" ist... aber die Brücke dazu habe ich doch gefunden...

 

Als die Mauer fiel war ich grade mal 8 jahre alt, naja fast 9.

Ich war mit meiner Schulklasse in einem Landschulheim (so heißt das wohl heute) in Friedrichroda.

Schon Wochen und Monate vorher konnte man im Fernsehen die Bilder von Flüchtlingen sehen. Meine Mutter ging zu Demonstrationen während mein Bruder und ich abends im Bett lagen.

Genau kann ich mich nicht an diesen tag im November erinnern, aber ich weiß noch genau was meine Mutter zu mir sagte als sie mich vom Bus abholte. "Am Montag bleibst du von der Schule zuhause, da fahren wir in den Westen."

 

Der "Westen" der ist gerademal 20 km von meinem Heimatdorf entfernt. Wir fahren in unserm roten Skoda an die Grenze, mein Vater fährt, meine Mutter ist beifahrer und ich sitze mit meinem Bruder und meinem Opa hinten.

Als wir an den Grenzübergang kamen, standen dort in einer langer Schlange Trabis, Skodas, Wartburgs, Moskwitsch und alle aufgereiht wie an einer Perlenschnur.

Ich sitze hinten und mir schießen tausend Dinge durch den Kopf... ich weiß auch nicht warum ich mich ausgerechnet daran erinnere, ich dachte, "wenn die, die Mama und den Papa jetzt einsperren, dann kommen wir in ein Kinderheim...

Natürlich kamen wir ohne Probleme über die Grenze in den " Westen".

der erste Besuch in einem Supermarkt

 

Wir holten unser Begrüßunggeld ab und neben der Bank war ein Supermarkt.

Alleine die Tür... die ging ja von alleine auf! Wie von zauberhand... und dann sind da Dinge die ich vorher noch nie gesehen hatte, Kiwis zum Beispiel... was sind bitte Kiwis oder Nektarinen? Soviel Obst auf einen Haufen! Und es gab alles.... Das erste mal sah ich eine Ananas, ich kannte sie nur von den Bildern auf den Dosen die meine Mutter hin und wieder für teures Geld im Exquisit kaufte.

Wow... alles war bunt. Sogar das Hundefutter war bunter als unsere Ost-Schokolade. Ich erinnere mich wie wir Joghurt kauften, nein nicht nur 4-5 Stück... wir haben gleich eine ganze Palette gekauft. (man weiß ja nie wann man wieder etwas bekommt...)

ich der -Jungpionier

ich war Jungpionier, jawohl... gleich in der ersten Klasse bekamen wir unser blaues dreieckiges Pioniertuch. Wir trugen an diesm Tag alle ganz feierlich weiße Blusen oder Hemden. Und wir bekamen unsern Pionierausweiß (den habe ich heute übrigens immernoch)

 

So sah das Teil aus: habs mal schnell gegoogelt

WIR JUNGPIONIERE lieben unsere Deutsche Demokratische Republik.
WIR JUNGPIONIERE lieben unsere Eltern.
WIR JUNGPIONIERE lieben den Frieden.
WIR JUNGPIONIERE halten Freundschaft mit den Kinder.
WIR JUNGPIONIERE lernen fleißig, sind ordentlich und diszipliniert.
WIR JUNGPIONIERE achten alle arbeitenden Menschen und helfen überall tüchtig mit.
WIR JUNGPIONIERE sind gute Freunde und helfen einander.
WIR JUNGPIONIERE singen und tanzen, spielen und basteln gern.
WIR JUNGPIONIERE treiben Sport und halten unseren Körper sauber und gesund.
WIR JUNGPIONIERE tragen mit Stolz unser blaues Halstuch.
Wir bereiten uns darauf vor, gute Thälmannpioniere zu werden.

 

.... to be continued.....

 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Anne (Dienstag, 05 Oktober 2010 23:55)

    Haha Mandy, da kommen echt Erinnerungen hoch ;) so einen Ausweis hab ich auch und sogar noch den nächsten, für Thälmann-Pioniere. Bin da gerade noch so durchgerutsch 1989 lol. Die Halstücher haben sich allerdings schon lange verabschiedet...
    Den Text von Michael finde ich sehr schön, und ich war zugegebenermaßen überrascht, ihn in 'Dancing the Dream' zu lesen. Aber das zeigt nur wieder mal, wie vielseitig Michael interessiert war und wie wichtig ihm das war.
    Danke fürs posten :)